Dieser Rückkehrer regt auf! Fischzüchter Johann Poganitsch aus Grafenstein befürchtet leere Netze und sieht Existenz durch Fischotter bedroht. Zudem fürchten Fischer um Fischbestände und die Kärntner Urforelle.

 

Die Freude über fünf Medaillen bei der 6. Alpe-Adria Fischprämierung 2018 ist bei Fischzüchter Johann Poganitsch getrübt. „Der Fischotter wird mich ruinieren“, sagt der Grafensteiner. Mit Herausforderungen kennt sich der Grafensteiner aus. 2004 war er wegen der Schließung des Standortes vom Leiterplattenhersteller AT&S von einem Tag auf den anderen arbeitslos. „Dank eines Stiftungsprogrammes konnte ich mich zum Fischzüchter umschulen lassen“, sagt Poganitsch. Mit Erfolg: Letztes Jahr konnte er expandieren, in Gallizien hat Poganitsch neue Fischteiche gepachtet.

Gefräßiger Gast
In den neun naturbelassenen gepachteten Teichen in Grafenstein schwimmen Regenbogenforellen, Bachforellen, Seeforellen, Saiblinge und rotfleischige Lachsforellen. Poganitsch: „Hier scheuern sich die Fische nicht wie an Betonbecken die Flossen ab.“ Doch die idyllische Lage der Fischzucht hat eine Schattenseite. Aufgrund der hügeligen Lage und der Größe ist es praktisch unmöglich, den Fischotter auszusperren. Vier Otter hat der Fischzüchter als ungebetene Gäste, die ihm täglich bis zu sechs Kilogramm Fisch aus den Teichen fischen. „Ich fühle mich von der Politik im Stich gelassen. Wie komme ich dazu, dass ein Raubtier meine Fische wegfrisst“, fragt sich der Fischzüchter. Das Problem: Durch das Überangebot holt sich der Otter bei einem Raubzug mehrere Fische aus den Teichen und frisst davon nur die besten Stücke.

Zahlen
Laut einer aktuellen Studie leben in Kärnten derzeit 361 Fischotter. Für Tierschützer ist das eine erfreuliche Nachricht. Das Fischereiwesen in Kärnten ist in großer Sorge. „Zur Eindämmung bestehender Schäden und zukünftiger Schadensfälle ist unverzüglich eine entsprechende Reduzierung des Fischotterbestandes in Kärnten einzuleiten. Teilweise haben wir über 90-prozentigen Ausfraß in Fließgewässern. Zudem ist die Existenz der Kärntner Urforelle bedroht“, sagt Eduard Blatnik, Landesobmann der Kärntner Fischereivereinigung. Im mehr als drei Jahren wird eine Verdoppelung des Otter-Bestandes prognostiziert.

Komplizierter Sachverhalt
Für Forellenunkundige: Der größte Teil der Bachforellen, der in Österreich Gewässern schwimmt, stammt aus Besatz. In Kärnten wird in gewissen Teilen die Urforelle, die sich selbst erhält, nachgewiesen. Diesem Ansatz widerspricht der WWF. „Ob es die Urforelle gibt, wird unter Experten diskutiert. Uns ist keine heimische Tierart bekannt, die jemals eine andere heimische Tierart ausgerottet hat. Nur der Mensch kann das“, sagt Arno Aschauer, vom WWF. Für Aschauer ist das Dezimieren einer Art wie des Fischotters „reine Symptombekämpfung. Das wird an den Fischbeständen nichts ändern. Ziel und Aufgabe ist es, Gewässer in einen naturnahen Zustand zu bringen. Laut Studien sind unsere Gewässer in keinem guten Zustand.“ Zudem sagt der Experte: „In Niederösterreich gibt es Gewässer mit gutem Fischbestand und Otter-Vorkommen. Wir kennen Bereiche in der Schweiz, wo kein Fischotter lebt. Auch dort gehen die Fischbestände zurück.“

Foto oben: ©GVision – stock.adobe.com

Johann Poganitsch hat den Otter mehrmals mit der Wildkamera fotografiert und zeigt, wo der Fischotter in seine naturnahen Fischteiche zum Jagen gleitet

@ KRM 

„Tatort-Foto“ der Fischzucht Poganitsch: Oftmals „spielt“ der Otter in Fischzuchten nur mit den Fischen

© KK

Erwischt! Mit der Wildkamera hat Johann Poganitsch festgehalten, wie sich drei Fischotter nachts in seine Fischzucht schleichen

© KK