Ernteverluste, neue und größere Herausforderungen – wie gehen Bauern damit um, warum machen sie weiter und wie motivieren sie junge Leute? Leidenschaft für Landwirtschaft und immer offen für neue Ideen. Bio als Chance.

„Ich bin damit aufgewachsen, hab die Landwirtschaft in Fleisch und Blut“, lacht Johannes Tomic. „Es gibt viele Auflagen, aber man hat doch eine gewisse Freiheit.“ Die Entscheidung für Bio fiel in der Agraringenieur-Ausbildung: „Ein Referent hat gefragt: ,Was ist die Aufgabe des Bauern?’ Seine Antwort: ,Der Gesundheit der Bevölkerung zu dienen.’ Da war es für mich klar. Wir haben auch die Aufgabe, die Landschaft zu schützen und pflegen.“ 1992 hat Johannes Tomic den Betrieb in Buchbrunn, Eberndorf, übernommen, seit 1993 ist es ein Biohof.

Herausforderung
„Am Anfang hat es vieles noch nicht gegeben, ich hatte keine Abnehmer für Bio-Getreide und -Ferkel“, erinnert sich Tomic. „Also haben wir klein angefangen Brot zu backen und am Hof zu verkaufen. Ein halbes Jahr später kamen viele Eltern von Kindern mit Weizenallergie – da hab ich gewusst, wir sind am richtigen Weg.“

Reduzieren und Vielfalt pflegen
Pro Jahr werden 14 verschiedene Früchte angebaut: „Die Fruchtfolge ist bei Bio wichtig und die große Streuung wiederum verteilt das Risiko von Ausfällen“, erklärt Tomic. „Bei konventioneller Landwirtschaft hat man schon vorab sehr hohe Ausgaben für Dünge- und Spritzmittel und damit ein sehr großes finanzielles Risiko bei Ernteausfällen. Ich spare mir das Geld, riskiere damit zwar auch einen geringeren Ertrag, aber wenn dieser dann durch die höhere Qualität mehr Wert ist, passt der Erlös. Es gibt auch eine Bio-Förderung.“

Offen für Ideen
Tomic setzt auf Innovation: „Viele Produkte sind gemeinsam mit Konsumenten entstanden. Das Genussland-Kärnten-Müsli z.B. aus dem Gespräch mit einem Ironman-Sportler.“ Einem jungen Bauer, der auf Bio umstellt und gefragt hat, wie man es schaffen kann, hat er geantwortet: „Greif im Supermarkt blind nach einem Produkt und mach es neu – auch, wenn es Zahnpasta ist!“

Verantwortung leben
Waltraud und Josef Piroutz bewirtschaften ihren Hof in Müllnern, Sittersdorf, mit Überzeugung biologisch. Zur Landwirtschafts-Leidenschaft: „Man will Lebensmittel produzieren, das Wissen weitertransportieren, woher Lebensmittel kommen. Es ist auch eine Verantwortung der Gesellschaft gegenüber“, so Josef Piroutz. Die Bäuerin ergänzt: „Man übernimmt einen Hof, den Generationen davor bereits aufgebaut haben. Er ist Arbeitsraum und Lebensmittelpunkt, das will man erhalten. Der Zusammenhalt in der Familie und der Gedanke daran, dass der Kreislauf der Natur jedes Jahr neu beginnt, helfen dabei, Widrigkeiten zu durchtauchen.“

Positive Grundhaltung
Piroutz: „Es ist sehr viel Arbeit, trotzdem muss man positiv bleiben, die Freude vermitteln. Jammern bringt nichts, es demotiviert nur. Wir haben Verantwortung für die junge Generation: Wer wird einen Hof übernehmen, wenn die Eltern nur deprimiert sind? Viel Kapital, das fast nicht zu erwirtschaften ist, liegt in neuen, großen Spezialmaschinen, die oft nur wenige Tage pro Jahr gebraucht werden, brach. Hier muss man überlegen, ob es nicht anders geht. Überbetriebliche Zusammenarbeit der Bauern spart Kosten und Arbeitskraft – mehr Vernetzung statt Konkurrenzdenken. Man muss in allen Bereichen über den Tellerrand schauen und sich ständig weiterbilden.“

Zusammenbringen
Große Verantwortung liege beim Konsumenten, Waltraud Piroutz: „Hohe Qualität geht nicht mit Billigprodukten. Bewusstsein für gesunde Lebensmittel ist wichtig, denn sie leisten auch einen großen Beitrag zur Gesundheit. Man muss Bauer und Konsument wieder näher zusammenbringen.“

Johannes Tomic mit Sohn David, der vor sieben Jahren in den Familienbetrieb eingestiegen ist: „Anfangs dachte ich an Nebenerwerb – mittlerweile sind wir acht Leute am Hof.“
© Biohof Tomic

Waltraud Piroutz im Hofladen: „Verschiedene Standbeine verkleinern das Risiko der Verluste. Man kann nicht gegen alle Möglichkeiten Versicherungen abschließen.“

Großes Foto oben: Die Familie Piroutz setzt auf alte Tierrassen, hier Josef beim Kärntner Blondvieh. Es gibt auch Kärntner Brillenschafe
© KRM (2)