Er ist erst 17 Jahre alt, predigt aber bereits zweimal im Monat in der evang. Kirche in Villach: Julian Jöri. Der spätere Berufswunsch ist Programm, bald folgt das Theologiestudium.

„Die Kirche hat mich seit meiner Konfirmanden-Zeit nicht mehr losgelassen. Die Gemeinschaft hat mich fasziniert und mir Halt gegeben“, sagt Julian. Dem jungen Villacher gehe es nicht prinzipiell um die Institution Kirche: „Christus ist für mich wie eine Tankstelle. Der Glaube baut mich auf und gibt mir in jeder Lebenslage Halt. Kirche bedeutet für mich eine liebevolle Gemeinschaft, in der man sich gegenseitig unterstützt.“ Seit Ende September dieses Jahres ist Julian in der evangelischen Gemeinde in Villach als Lektor („Vorleser“) tätig – und damit mit Abstand der jüngste in ganz Österreich. Wie sehen gleichaltrige Freunde Julians Leidenschaft für die Kirche? „Die verstehen das, weil sie sehen, dass ich in meiner Gemeindearbeit wirklich aufgehe. Dieses Jahr mache ich die Matura, dann möchte ich in Wien Theologie studieren. Pfarrer zu werden ist mein Ziel“, sagt Julian. Predigten schreibt er schon jetzt „liebend gern“: „Sie sollen für eigene Gedanken Türen öffnen. Der Glaube und die Weitergabe von den Geschichten ist für mich etwas sehr Spannendes. Ich sehe mich nicht als Oberlehrer, der da draußen steht, ich möchte die Gemeinde anregen, mit mir über den Glauben nachzudenken.“

Bibelfest. Im Rahmen seiner Arbeit für die Kirche besucht Julian auch regelmäßig ein Altenheim. „Hier halte ich Gottesdienste oder besuche eine Dame mit 94 Jahren, man kann von älteren Menschen so viel lernen“, sagt der Schüler. Die Bibel hat er komplett gelesen: „Sie ist meine Einschlaflektüre. Mein Lieblingsevangelium ist das von Johannes, das lese ich extrem gern, weil es mir viel Kraft gibt. Generell am spannendsten finde ich die Geschichte von Jesus und der Prostituierten. Es ist unser Auftrag, dass wir alle Menschen gleich behandeln.“ Eine schwierige Frage bleibt: Was ist Gott? „Ich sehe Gott in allem, in jedem Menschen, in jeder Pflanze, in jeder Pizza. Es ist eine höhere Macht, die alles geschaffen hat. Auch die Evolutionstheorie ist für mich gar nicht weit weg von der Bibel. Der Urknall etwa ist so dermaßen nahe, deswegen ist Gott für mich nicht der Mann mit langem Bart, sondern in allem.“ Julians nächster Sonntagsgottesdienst ist am 18. November in der evang. Kirche im Stadtpark.

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