Während das abendliche Stadt-Flanieren bei unserem südlichen Nachbarn schon lange Standard ist, schließen viele Villacher Innenstadt-Läden um 18 Uhr. Das soll sich im Juli und August ändern.

 

„Wenn du auf das Okay von jedem Unternehmen wartest, dann passiert nie etwas. Das funktioniert in Villach nicht, warum auch immer“, stellt Andy Glantschnig von HolzArt Villach fest. So haben er und einige andere Draustädter Unternehmer beschlossen, auf eigene Initiative hin während der Sommermonate die Öffnungszeiten bis ca. 21 Uhr auszudehnen. Glantschnig: „Ich tue mir da als Selbstständiger natürlich leichter als ein Betrieb mit Angestellten – ich hatte, was die Öffnungszeiten betrifft, schon immer meinen eigenen Kopf und habe schon früher im Sommer länger offen gelassen. Die Urlauber kommen um 20 Uhr vom See in die Stadt, das Offenlassen lohnt sich ganz sicher, sonst hätte ich das nicht schon immer wieder gemacht. Es ist aber schwierig, wenn nur ein paar Geschäfte offen haben, der Rest nicht.“

Keine Einheit. Ähnlich sieht das Gabriele Baumgartner von „Das passende Geschenk“ in Villach: „Es ist schade, dass es keine einheitliche Einigung gibt. Wir sind in einer Seitengasse, nicht direkt am Hauptplatz. Es müssten mehr als die Hälfte der Geschäfte mitmachen, sonst fällt es nicht mehr auf, wenn ich meinen Shop offen habe, da schaut ja keiner mehr.“ Trotzdem will es die Unternehmerin in diesem Jahr ausprobieren: Im Juli und August schließt sie ihr Geschäft dann erst um 21 Uhr – statt wie bisher um 18 Uhr. „Villach liegt sehr südlich, wenn es so heiß ist wie 2017, dann ist tagsüber nichts los in der Stadt. Wir müssen ja nicht gleich bis 23 oder 24 Uhr offen lassen wie in Italien, aber wenigstens bis 21 Uhr“, sagt Baumgartner. Ebenso probeweise auf verlängerte Öffnungszeiten im Sommer will der „1 Euro Plus“ Shop am Hauptplatz setzen.

Unterstützung. „Ob wir fix offen lassen, hängt noch ein wenig von der Stadt Villach ab. Wir wünschen uns da einfach eine Unterstützung, etwa, dass die Leute informiert werden, dass wir offen haben“, sagt Filialleiterin Helga Bononi. Die Idee dazu steht schon länger im Raum. „An heißen Tagen stehen wir im Geschäft und haben nichts zu tun. Wir würden dann allerdings keine Mittagspause einlegen, sondern durchgehend offen lassen. Mit unserem Personal ist das bereits besprochen. Eventuell würden wir auch eine Zusatzkraft für diese Zeit einstellen“, so Bononi. Die Aktion würde die Innenstadt beleben, nicht nur für die Touristen. „Und das ist gleichzeitig die Sicherung vom Arbeitsplatz. Ich verstehe, dass man abends lieber zu Hause ist, und ja, es wird eine Umstellung. Aber die Zeiten ändern sich, wir haben den Tourismus, man muss sich anpassen und etwas bieten“, erklärt Bononi weiter. Durch den Schichtbetrieb wären die Abenddienste auch gleichmäßig aufgeteilt. Während der Kirchtagswoche will „1 Euro Plus“ übrigens wie gewohnt, also früher schließen, dafür eventuell während der Bike Week nochmals die Öffnungszeiten ausdehnen. „Ausgehen würde sich das Projekt mit unseren Ressourcen. Was wir jetzt dringend brauchen, ist ein Statement der Stadt, wie diese dazu steht“, betont Bononi.

Stadt. Bgm. Günther Albel begrüßt indessen den Vorstoß zu längeren Öffnungszeiten als Maßnahme zur Innenstadt-Attraktivierung ausdrücklich. „Seit Jahren thematisiere ich das. Ich hoffe, dass weitere Unternehmer an der Aktion teilnehmen“, sagt er. Die Stadt Villach sei gerne bereit, die längeren Öffnungszeiten im Rahmen ihrer Möglichkeiten, etwa in der Stadtzeitung, bekannt zu machen.

 

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