Herzergreifender Held mit Harmonika: Heimo Platzner lässt Frühchen-Herzen mit Musik ruhiger schlagen

Für Heimo Platzner ist es im wahrsten Sinne eine Herzensangelegenheit. Sein kleiner Bruder Christian verstarb 1995 an einem Herzleiden. „Ich mache das aus Überzeugung. Es muss nicht immer nur ums Geld gehen“, sagt der 24-Jährige. Letztes Jahr traf Platzner, der bei der Klagenfurter Firma Mediapool arbeitet, den Produzenten Walter Werzowa in Los Angeles. Zufällig hatte Platzner, der auch Musiker ist, seine Harmonika mit. Als Werzowa von seinem Projekt Health Tunes erzählte, war der 24-Jährige sofort bereit mitzumachen. Musik statt Medikamente ist – verkürzt gesagt – der Ansatz von Health Tunes. „HealthTunes ™ ist ein Streaming-Audio-Service entwickelt, um die körperliche und geistige Gesundheit zu verbessern“, erklärt Werzowa. Mit der steirischen Harmonika werden einfache Kinderlieder in Schleife abgespielt. Das Lied beginnt schnell und wird dann mit einer ausgerechneten Sinuskurve langsamer. Dadurch soll sich der Herzschlag des Frühgeborenen verringern. In Kalifornien werden die Harmonika-Klänge schon eingesetzt. Seitdem die wohltuenden Klänge Platzners online gestellt wurden, wurden sie 50.000 Mal heruntergeladen. Via www.healthtunes.org kann man sich das gesamte Angebot, bei dem auch Stars wie Moby ihre Musik beisteuern, kostenlos herunterladen.

Treffen
Am 1. August hat der KLAGENFURTER ein Treffen auf der Neonatologie zwischen Heimo Platzner und dem Leiter der Station Dr. Raimund Kraschl organisiert. „Ich höre jetzt zum ersten Mal von diesem Projekt. Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, dass es hilfreich ist“, sagt Kraschl. Seit mehr als 20 Jahren arbeitet die Neonatologie mit Musik wie Mozart oder Märchen, die vorgelesen werden. Dabei werden die Kopfhörer in den Inkubator gelegt. „Ich rate Ihnen, dass Sie ein kleines Boxensystem verwenden. So wird der Klang am besten erfahrbar“, empfiehlt Platzner dem Arzt, der diesen Rat dankend annimmt und ihn in sein rotes Notizbüchlein einträgt.

Ergreifende Momente
Wir haben die Möglichkeit, in ein Krankenzimmer zu gehen. Im Inkubator liegt Lorenz, ein Kämpfer mit starkem Herz, der sich in der 32. Woche dazu entschied, auf die Welt zu kommen. Mutter Gabriele Grabner lässt ihn nicht aus den Augen. Lorzenzʼ Pulsschlag ist bei 177 Schlägen in der Minute. Platzner hat seine Harmonika mit und stimmt ein sanftes Volkslied an. Schwingende Harmonien erfüllen das Krankenzimmer – alle hören andächtig. Man kann regelrecht spüren, wie die meditativen Melodien allen im Raum guttun. Nach wenigen Sekunden verlangsamt sich Lorenzʼ Herzschlag – als Platzner den letzten Akkord ausklingen lässt, liegt der Herzschlag des kleinen Kämpfers bei 150. „Die Musik war ein Seelenheil. Ich habe gesehen, wie Lorenz sich wohlgefühlt hat. Auch mich hat es beruhigt. Es hilft sicher allen Müttern, die sich in einer ähnlichen Situation befinden“, ist Mutter Gabriele Grabner ergriffen.

Gemeinsam stark
Dr. Raimund Kraschl denkt weiter und will das Projekt auch auf anderen Stationen vorstellen. Nachdem wir die Station gemeinsam verlassen, ist Heimo Platzner die Freude anzusehen. Mit dem Musikprojekt sieht er sich bestärkt darin, dass man aus tragischen Lebensereignissen neue Kraft schöpfen kann, indem man anderen hilft. Hier das berührende Video unseres musikalischen Besuchs bei Lorenz

Sichtlich entspannt: Frühchen Lorenz nach seiner ersten musikalischen Erfahrung

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Musik bereitet Freude: Musiker Heimo Platzner, Dr. Raimund Kraschl, Lorenz Grabner mit Mutter Gabriele und einer der Schwestern

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