Die Hörzendorferin Christine Scheiber erklärt dem ST. VEITER, was als CO-Pilotin bei einer Rallye wichtig ist.

Wie alles begann: Christine Scheiber ist seit nunmehr zehn Jahren erfolgreiche Co-Pilotin: Sie erzählt dem ST. VEITER ihre Erlebnisse, ihre Erfahrungen und wie sie dazu kam! Im Jahre 2008 war Christine im Lavanttal und sah sich eine Rallye an. Dort traf sie auf Kurt Jabornig, einen in der Branche bekannten Rallyefahrer: „Bei der nächsten Rallye fährst du mit mir“, das waren seine Worte zu dem jungen Mädchen. Zwei Monate später rief Christine tatsächlich bei Kurt an. „Ich fragte ihn, ob er mir nun beibringe, eine Co-Pilotin zu sein. Er hatte so schnell wohl nicht mit einem solchen Anruf gerechnet, aber er war sofort begeistert!“. Daraufhin trafen sich die beiden, Kurt Jabornig erklärte Christine das Roadbook und auch einige Aufschriebe von Sonderprüfungen – damit begann Christines Karriere als Co-Pilotin.

Rallye 
Die Buchhalterin zählt einige Voraussetzungen für eine Co-Pilotin auf: „Keine Angst beim Danebensitzen im Auto; man muss lesen und hinausschauen können, ohne dass einem schlecht wird; man muss mittels ärztlichem Zeugnis bestätigen, dass man gesund ist; natürlich den Führerschein besitzen und die Rallyelizenz bei AMF lösen“. Der Ablauf einer Rallye sieht so aus, dass eine Nennung der Veranstaltung gemacht und dann eine Unterkunft organisiert wird. Bei jeder Rallye gibt es zuerst eine Papierabnahme und dann die technische Abnahme. „Bei der Abnahme bin ich verantwortlich, dass alle Dokumente wie Rallyelizenz, Homologationsblatt des Fahrzeuges, Führerscheine etc. vorhanden sind“, schildert die Naturliebhaberin. Nachdem die Abnahmen reibungslos verlaufen sind, fängt man mit dem sogenannten Training an – trainieren heißt in diesem Fall, mit einem normalen PKW die Sonderprüfungen abfahren. „Es darf aber nur mit der zugelassenen Geschwindigkeit des Straßenverlaufes gefahren werden“, klärt Christine auf.

Der Schrieb
Das wichtigste Dokument der Rallye: Von jedem Veranstalter bekommt man nach der Nennung der Rallye ein Roadbook ausgefolgt. Danach wird die vorgegebene Strecke besichtigt und ein Aufschrieb der gesamten Sonderprüfungen gemacht. „Das heißt, der Fahrer sagt mir jede Kurve, jeden Hügel, jedes Schlagloch an und ich muss das in meinem Schrieb eintragen. Erst wenn alles okay ist, was der Fahrer mir angesagt hat, kann man dann auch die Rallye richtig fahren. Ohne Schrieb geht gar nichts“, wie die begeisterte Co-Pilotin erklärt. Nach dem Aufschrieb werden die Sonderprüfungen noch ein bis zwei Mal abgefahren und der Aufschrieb nach Christines Ansage vom Fahrer kontrolliert.

Der Start
„Auf den Sonderprüfungen nach dem Start muss ich dem Fahrer alles exakt vorlesen (vorbeten), deshalb sagt man auch zum Aufschrieb „Gebetsbuch.“ Als Co-Pilot darf man keinen Fehler beim Vorlesen machen, denn sonst kann es passieren, dass man von der Straße fliegt. „Während der Rallye zählt zu meinen Aufgaben neben der richtigen Ansage auch das genaue Berechnen und Einhalten der vorgegebenen Fahrzeiten aus dem Roadbook, von einer Sonderprüfung zur anderen. Bei Nichteinhaltung der vorgegebenen Zeiten drohen entweder Strafminuten oder sogar der Ausschluss aus der Rallye“, weiß Christine Scheiber.

Fazit
Christine Schweiger ist zwar nach wie vor nervös, wenn sie ein Rennen bestreitet: „Aber nach den ersten Metern legt sich das sofort, weil dann fühl´ ich mich im Auto wieder sehr wohl.“„Sehr interessant war heuer die Rallye in Zagreb, da wurde extra eine Hauptstraße und eine Brücke über die Save gesperrt. Das wäre in Österreich sicher nie möglich“, so Scheiber fasziniert. „Auf unseren heurigen Sieg im Alpen-Adria-Cup bin ich auch sehr stolz, meinen Beitrag im Team geleistet zu haben.“ Warum eigentlich wenige Mädchen in Kärnten als Co-Pilotinnen fahren wollen, außer Ilka Minor als Co-Pilot-Weltmeisterin, findet sie sehr schade. „Wenn jemand das möchte, kann man mich gerne kontaktieren und ich könnte mir vorstellen, denjenigen auch auszubilden“, sagt Christine überzeugt. Jetzt geht es aber erst mal kurvig weiter mit Christine: „Ich freue mich schon auf das Jahr 2019 mit Kurt Jabornig und den nächsten Rallyes!“

©KK/privat