Klagenfurter kämpft gegen das Vergessen rund um die traditionelle Sticktechnik. Wilhelm Wutte will Jugend für den Zopfstich begeistern.

Die Frage, ob jetzt Sticken eine Frauen- oder Männersache ist, hat Wilhelm Wutte nie interessiert. Der Klagenfurter hat für sich die Passion für den Zopfstich entdeckt. „Beim Sticken gibt es einfach keine Geschlechter-Stereotypen. Ich habe beim Hausbau auch viele Sachen selbst gemacht. Da habe ich mich doch auch nie gefragt, ob das männlich ist“, sagt Wutte.

Das Brauchtumsjahr
Anfang der 90er-Jahre entdeckte Wutte, der heute 67 Jahre alt ist, den Zopfstich für sich. Für seine Mutter fertigte er einen Wandbehang. Auf dem großen Wandbehang sind Abbildungen von Kärntens Brauchtumsjahr zu sehen. Das Perchtenlaufen aus dem Rosental, das Peitschenknallen zu Pfingsten, der Lindentanz, die Brechelbraut u.v.m. hat Wutte auf das Leinen in mühsamer Feinstarbeit gestickt. „Der damalige kroatische Handball-Nationaltrainer hat meine Arbeit gesehen und war so begeistert davon, dass er mir dafür 30.000 Schilling bot“, erinnert sich Wutte. Für ihn war und ist das Stück aber unverkäuflich. Rund drei Jahre hat Wutte an dem Wandbehang gestickt. Die Vorlage dafür hat Wutte vom Kärntner Heimatwerk. Auch seine Lebensgefährtin fertigte einen kunstvollen und aufwändigen Wandbehang. Unter dem Titel „Kreuzweg Jesu“ erschuf Wutte zuvor für sie eine Vorlage, nach der sie dann den Kreuzweg Jesu sticken konnte.

Einzigartiger Klagenfurter
„Ich will kreativ und aktiv sein. Ich bin der lebende Beweis dafür, das jeder sticken kann“, begründet Wutte seine Leidenschaft für die Handarbeit. Auch das Erhalten des Brauchtums ist für ihn Antrieb, sich der Stick-Kunst zu widmen. Maria Schischegg vom Kärntner Brauchtumsverband ist von dem stickenden Klagenfurter begeistert. „Sie habe ich gesucht. Was Sie machen, ist in Kärnten einzigartig. Ich kenne keinen mehr, der das in Kärnten macht“, sagt Schischegg.

Sticken vor Ort
Sein Wissen um den Zopfstich wird Wutte an Interessierte bei der Osterausstellung in Klagenfurt weitergeben. Von 2. bis zum 4. März wird Wutte vor Ort sein und allen zeigen, wie man(n) sich den Herausforderungen des Stickens stellt. Die Osterausstellung findet im Landhaushof bei freiem Eintritt statt. „Ich hoffe, dass ich einige Jugendliche für diese alte Volkskunst begeistern kann“, sagt Wutte.

Wuttes ganzer Stolz: Der aufwändige Wandbehang, der das ganze Brauchtumsjahr zeigt

© KRM 

Für seinen Sohn wurde zum 40er ein kunstvoller Polster gestickt

KK