Wieso sie nicht gerne kommt und er immer weniger Lust hat: Der KLAGENFURTER hat mit Österreichs Sexpertin Barbara Balldini gesprochen, worauf es ankommt, damit Frau und Mann nicht in einer lustlosen Sackgasse stecken bleiben.

Ein gesundes Sexualleben – in Zeiten von Reizüberflutung mit nackter Haut, Dauerstress und Artikeln aus Fachzeitschriften, die einem multiple Orgasmen ohne Ende versprechen, gar nicht einmal so einfach. Der KLAGENFURTER hat Österreichs lustigste Sexpertin, Barbara Balldini, die sich in ihrem Programm „Verkehrstauglich“ kein Blatt vor den Mund nimmt, gesprochen. Woran hapert es nun, dass es mit der schönsten Nebensache der Welt nicht immer klappen will? „ Es wird zu viel Information und falsche Vorstellungen über das Internet transportiert – sprich Pornos. Das verunsichert den Einzelnen mehr, als es ihn beruhigt. Die Erwartungen, ein/e perfekte/r Liebhaber/in zu sein, setzt sie und ihn mächtig unter Druck. Nicht alles, was man sieht oder liest, will oder kann gelebt werden“, sagt Balldini.

Hingabe
Gerade Frauen fühlen sich unter Druck. „Hingabe und die Fähigkeit sich auf das Gegenüber einzustellen, sind bei der Liebe zentral. Darüber hinaus sollte man den eigenen Körper und die eigenen Bedürfnisse kennen und mögen, damit man sie aussprechen und umsetzen kann. Viele Frauen wissen nicht, was sie wirklich wollen – sie wissen nur, dass sie es ,soʻ nicht (mehr) wollen“, erklärt Balldini.

Technik als Sackgasse
Fachbücher vermitteln den Eindruck, dass es hauptsächlich auf die „perfekte Technik“ ankommt, will Frau/Mann das? Balldini: „Der Mensch will als Individuum wahrgenommen werden und nicht als Sexualobjekt. Viele sind überfordert. Das führt zu sexueller Abstinenz und Verweigerung.“

Nur „Teil“-befriedigt
Es drängt sich unweigerlich die Frage auf: Wozu benötigen wir Sexualität? Balldini: „Sexualität ist insofern wichtig, weil wir Berührung für unser seelisches Wohlbefinden benötigen. Nun herrscht allerdings der Irrglaube, Sex sei ausschließlich Geschlechtsverkehr. Vor allem Männern sind erst oftmals erst zufrieden, wenn ihr ,edles Teilʻ in der Dame steckt. Sexualität ist weitaus mehr und der Akt an sich nur ein kleiner Teil davon. Leider sind wir nach wie vor derart unwissend und niemand lehrt uns, was erfüllende Sexualität wirklich ist. Wie in allen Disziplinen ist es lernbar. Das kann allerdings Jahre dauern.“

Sexpertin Barbara Balldini plädiert bei der schönsten Nebensache der Welt für mehr Hingabe – auf beiden Seiten

© Barbara Balldini