Als Lehrling im Jahr 1913 hatte man nicht viel zu lachen. Das beweist ein Originaldokument, das uns unser treuer Leser Manfred Baumgartner vorgelegt hat.

In besagtem Brief, der an den Vater eines potentiellen Lehrlings gerichtet ist, fasst ein Lavanttaler Betrieb die Bedingungen für die bevorstehende Lehre zusammen: „Lehrzeit 4 Jahre, Probezeit 3 Monate. Er erhält von mir freie Wohnung und Verpflegung und nach seiner Verwendbarkeit, Fleis und Aufführung im und außer Dienst, entsprechende Unterweisung in den Fertigkeiten des Handelsgewerbes. Verpflichtung Ihrerseits: für entsprechende Bekleidung, Schuhe, Wäsche usw. aufzukommen, ebenso für durch den Jungen verursachte Schäden.“ Klingt gar nicht so schlecht? Nun ja, der Knüller kommt erst noch: „Der Junge darf kein Bargeld besitzen, da ihm dieses abgenommen wird. Selbstverständlich darf er kein Wirtshaus besuchen, hat nur zu den ihm erlaubten Zeiten auszugehen und muß alle Arbeiten, die die anderen Jungen machen, mitmachen, wie Schuhe putzen, Kleider putzen usw.“

Freiheitsentzug und Verlängerung
Wer sich nicht an diese Anordnungen hielt, musste mit Konsequenzen rechnen, die heute vollkommen undenkbar wären: „Sollte er sich irgendwelcher Vergehen schuldig machen, so erfolgt nach mehrmaliger Bestrafung durch Freiheitsentzug und Lehrzeitverlängerung die Entlassung, in welchem Falle er auf ein Lehrzeugnis keinerlei Anspruch hat.“

50 Jahre später
Eine weiters Dokument – ein sogenanntes „Berufsberatungsgutachten“ – zeichnet 1960 schon ein anderes Bild der Lehrzeit – weniger Leibeigentum, mehr Menschlichkeit. Darin wurde die Eignung eines Lehrlings für den Beruf festgestellt „Mittelgroßer, ruhiger, vifer Junge, gutes Auftreten, überdurchschnittliche Allgemeinintelligenz (…), guter Rechner, gute Rechtschreibkenntnisse, besonders saubere Handschrift (…)“

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