Absolventen von höheren Schulen, die nach der Matura eine Lehre absolvieren, können diese um ein Jahr verkürzen. In Wolfsberg startet eine eigene Berufsschulklasse im Metallbereich.

Bisher war eine von dreieinhalb auf zweieinhalb Jahre verkürzte Lehrzeit nur dann möglich, wenn der Maturant aus einer Schule mit technischem Schwerpunkt kam (z. B. HTL oder LFS) und entsprechende handwerkliche Vorkenntnisse mitbrachte. Wer die Matura an einer AHS (z. B. BORG oder Stiftsgymnasium) abgelegt hatte, musste quasi bei null in die Lehre einsteigen. Ein neues Projekt von Wirtschaftskammer und Wifi Kärnten sieht die Einrichtung eigener Berufsschulklassen für alle Absolventen höherer Schulen vor. Auch im Lavanttal ergeben sich Möglichkeiten – vorerst in Metallberufen: Die ARGE Metall Kärnten mit Mitgliedern aus den Berufsschulstandorten Wolfsberg, Villach und St. Veit unter der Leitung des Wolfsberger FBS-Lehrers Herbert Tatschl hat einen speziell auf diese Jugendliche ausgerichteten Lehrplan mit ausgeprägtem Praxisschwerpunkt erstellt. Dieser Lehrplan sorgt nun dafür, dass auch Absolventen von BORG, Stiftsgymnasium & Co. die Vorteile der verkürzten Lehrzeit in Anspruch nehmen können.

Vorteile für Lehrlinge
„Das Angebot richtet sich speziell an AHS-Abgänger, die nach ihrer Matura nicht studieren wollen bzw. an solche, die nicht den geeigneten Studienplatz bekommen und nach Alternativen suchen“, erklärt Norbert Aichholzer, Direktor der FBS Wolfsberg. Der Schüler hat gleich mehrere Vorteile: Nach nur zweieinhalb Jahren hat er eine fertige Berufsausbildung. Im Metallbereich steigt er mit einer Lehrlingsentschädigung von 796 Euro in die Lehre ein. Im letzten Lehrjahr erhält er 1.440 Euro. Er zahlt somit von Anfang an in die Sozialversicherung ein und sammelt Pensionsjahre. Nach insgesamt vier Jahren im Berufsleben hat er Anspruch auf das Selbsterhalterstipendium in der Höhe von bis zu 801 Euro pro Monat, sollte er sich doch noch für ein Studium entscheiden.

Betriebe gesucht
Aktuell ist man an der FBS Wolfsberg auf der Suche nach Lehrbetrieben, welche die „Lehre nach Matura“ anbieten wollen. „Der Zulauf ist stark, der Bedarf hoch“, erklärt Aichholzer. Bisher haben rund 15 Unternehmen zugesagt. Interessierte Betriebe können sich weiterhin melden. Geplant ist der Start einer Klasse für die Lehre nach Matura im Metallbereich mit Beginn des Schuljahres 2019/20. Sollte aber vor diesem Zeitpunkt bereits eine Klasse gebildet werden können, stünde laut Aichholzer einem „Frühstart“ nichts im Weg.

Infoveranstaltung am BORG
Für den Betrieb bringen Absolventen von Gymnasien Vorteile, wie Peter Reischl, Direktor des BORG Wolfsberg bestätigt: „Der AHS-Absolvent verfügt in der Regel über ein breites Allgemeinwissen und ein hohes kreatives Potential. Er hat damit beste Chancen auf eine Position in der mittleren Führungsebene und darüber hinaus.“ Die Möglichkeit zur „Lehre nach Matura“ bewertet Reischl äußerst positiv: „Ich halte das für eine sehr gute Idee. Meine Erfahrung zeigt, dass sich viele Schüler mit 14 Jahren einfach noch nicht definitiv für einen Ausbildungsweg entscheiden können oder wollen. Am BORG wird es noch vor Weihnachten ein Infoveranstaltung für Schüler zu diesem Thema geben.“ Auch Simon Leschirnig-Reichel, Direktor des Stiftsgymnasiums St. Paul, kann der Idee viel abgewinnen: „Der Großteil unserer Schüler strebt nach der Matura zwar ein Studium an, doch jede zusätzliche Ausbildungsmöglichkeit ist positiv zu werten. Ich sehe an diesem Projekt nur Vorteile.“

Peter Reischel, Direktor des BORG Wolfsberg

Simon Leschirnig-Reichel, Direktor des Stiftsgymnasiums St. Paul

Diese Betriebe bieten die „Lehre nach Matura“ an:
Geislinger (Bad St. Leonhard), Konrad Forsttechnik (Preitenegg), Edelstahldesign Josef Stürzenbecher (Wolfsberg), Monforts-Montex (St. Stefan), ASCO Anlagenbau (St. Andrä), Urbas Maschinenfabrik (Völkermarkt), Metallbau Mörtl (Grafenstein), Strussnig Fenster (Einöde bei Villach), Metallbau Wilhelmer (Kolbnitz).

Die Liste wird laufend erweitert. Anmeldungen dazu an der FBS Wolfsberg unter 04352/2209.

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