Manuel Stanislaus Bierbaumer aus St. Jakob ist schizophren, die Krankheit warf ihn aus seinem gut sortierten Leben. In einer Selbsthilfegruppe will er den Austausch von Betroffenen fördern.

Zwischen 0,5 und 1 Prozent der europäischen Bevölkerung leidet an Schizophrenie. Die tiefgreifende psychiatrische Erkrankung löst eine Veränderung der Gedanken, der Wahrnehmung und des Verhaltens aus. Schizophreniekranke sind zeitweise nicht in der Lage, zwischen der Wirklichkeit und den eigenen Vorstellungen zu unterscheiden. Mit Anfang 20 brach die Krankheit bei Manuel Stanislaus Bierbaumer aus St. Jakob im Rosental aus – und stellte damit einen ganzen Lebensentwurf in Frage. „Ich war gerade auf einer Reise durch Kanada, konnte plötzlich nicht mehr schlafen. Nach sechs Tagen ohne Schlaf wurde ich ins Krankenhaus gebracht, mit Wahngedanken und überspitzter Wahrnehmung. Zurück in Österreich wurde die Krankheit diagnostiziert“, erzählt der heute 29-Jährige. „Das ganze Leben ist zusammengebrochen. Als Koch war ich voll im Einsatz. Diesen Beruf kann ich nicht mehr ausüben“, so Bierbaumer. Denn: „Ich bin viel weniger stressresistent. Wenn man medikamentös gut eingestellt ist, lässt sich das Leben recht gut managen. Aber bis man die richtigen Mittel findet, können Jahre vergehen.“

Psychosen. In sieben Jahren hatte er bereits sechs Psychosen. „Das bedeutet einen kompletten Ausnahmezustand mit Schlafentzug und Wahnvorstellungen. Mittlerweile bin ich aber innerhalb von wenigen Tagen im Krankenhaus und bekomme die richtigen Medikamente. So kann ich aktiv am Leben teilhaben“, sagt Bierbaumer. Warum die Krankheit ausbricht, kann die Wissenschaft nicht sagen. Mit Anfang 20 liegt der Kärntner in der Altersgruppe, in welcher die Schizophrenie am häufigsten beginnt, bei Frauen etwas später. Bierbaumer hat gelernt, mit der Krankheit zu leben. Im Herbst 2017 gründete er eine Selbsthilfegruppe. „Es gab kärntenweit kein Angebot in dieser Richtung. Schizophrene ziehen sich gerne zurück, es ist aber besser, wenn man rausgeht und mit anderen Betroffenen redet. Leute können sich gerne bei mir melden, wir treffen uns alle zwei Wochen im LKH Villach. Gemeinsam arbeiten wir daran, dass Lebenssituationen einfacher werden. Es geht nicht nur um Therapie, sondern vor allem um den Alltag.“ Was Bierbaumer hilft, ist die Malerei. „Meine Bilder spiegeln meine Eindrücke während der Psychosen wider. Im Mai habe ich in Villach eine Ausstellung.“ Infos zur Gruppe: 0650/4104064