Sendungen wie „Der Bergdoktor“ suggerieren ein idyllisches Bild vom Landarzt, das es in der Realität nicht gibt. Verschiedene Faktoren machen es immer schwieriger, Nachfolger für Praxen am Land zu finden.

In der Marktgemeinde Greifenburg gibt es zwei Kassenärzte, die sich um die rund 1724 Einwohner kümmern. Ab April jedoch nur noch einen, denn die Allgemeinmedizinerin Dr. Karin Maria Philippitsch wird nur noch als Wahlärztin praktizieren und ein Nachfolger ist nicht in Aussicht. Aber woran liegt es, dass sich der Mediziner- Nachwuchs nicht am Land niederlassen möchte? Der SPITTALER machte sich auf die Suche nach Antworten und möglichen Lösungen.

Nachfolger gesucht
„Die Kassenplanstelle, die es ab 1.4.2018 zu besetzen gilt, wurde österreichweit ausgeschrieben. Aktuell gibt es jedoch noch keinen Nachfolger“, erklärt Dr. Marie Korak-Leiter, Kurienobfrau- Stellvertreterin für die niedergelassenen Ärzte im Bezirk Spittal. „Schon jetzt gibt es einen Mangel an Allgemeinmedizinern und in den kommenden Jahren wird sich die Situation weiter zuspitzen, denn viele Ärzte gehen in Pension und Nachwuchs kommt kaum nach“, so Korak-Leiter. Nach Meinung der stellvertretenden Kurienobfrau müsste die Lehrpraxis attraktiviert und vermehrt die Werbetrommel für den Beruf gerührt werden. Alles andere liege in den Händen der Politik. So schlägt Dr. Korak- Leiter einen Landärztebonus vor, der junge Ärzte auf das Land locken soll.

Miteinander
Karin Maria Philippitsch, die ihre Praxis als Wahlärztin weiter betreiben wird, findet klare Worte für die vorherrschende Situation: „Ich bin seit 29 Jahren als Kassenärztin tätig. Hausärztin sein zu dürfen ist für mich der schönste Beruf der Welt. Man betreut generationsübergreifend vom Opa bis zum Enkel alle Altersgruppen und darf Zuhörer, Seelendoktor, Vertrauter und Freund sein. Leider haben diese Attribute wirtschaftlich gesehen wenig Wert. Die enorme Verantwortung, der hohe Leistungsdruck, die langen Wochenenddienste und die steigende Verwaltungsarbeit schränken die persönliche Freizeit immer mehr ein. Zudem ist die Bezahlung durch die Krankenkasse nicht den immens steigenden Ausgaben angepasst worden. Hier gilt es vor allem, Veränderungen vorzunehmen. Neue Modelle des Miteinanders müssen geschaffen werden, um den Beruf des Hausarztes wieder attraktiver zu gestalten und um die Patienten nicht nur in der Stadt, sondern auch am Land optimal versorgen zu können“, so die Allgemeinmedizinerin.

Geteilte Verantwortung
Seitens der Gemeindepolitik versucht man mit Ideenreichtum, jungen Ärzten das Landarztleben schmackhaft zu machen. „Als Gemeinde muss man dem Mediziner-Nachwuchs etwas bieten können. So errichten wir in Greifenburg ein Gesundheitszentrum, welches zu einem lukrativen Mietpreis zwei bis drei Ärzten zur Verfügung stehen wird. Durch solche Mehrpraxen kann der hohe Verantwortungsbereich der Ärzte auf mehreren Schultern aufgeteilt werden“, so Greifenburgs Bürgermeister Josef Brandner. Ein weiterer Lösungsvorschlag wäre laut Philippitsch die sogenannte Übergangspraxis. Dabei geht der Arzt, der eine eigene Praxis übernehmen möchte, in die „Lehre“ bei einem praktizierenden Arzt, um mit ihm gemeinsam zu arbeiten. Geht der „Lehrherr“ in Pension, kann der geschulte „Lehrling“ die Praxis übernehmen – die Suche nach einem Nachfolger bleibt aus.

Bevölkerung macht sich Sorgen
Verständnis für Dr. Philippitsch Entscheidung, ihre Tätigkeit als Kassenärztin niederzulegen und stattdessen als Wahlärztin zu praktizieren, haben die Greifenburger. „Ich kann das gut nachvollziehen. Die Ordination ist immer voll, dann kommen noch die Hausbesuche und die Wochenenddienste dazu – das alles ist schon sehr zeitintensiv“, so Elisabeth Regittnig aus Greifenburg. Ein weiterer Patient, der namentlich nicht genannt werden möchte, glaubt, dass es in Zukunft für einen Arzt alleine nicht machbar sein wird, sich um so viele Patienten zu kümmern. „Schon jetzt sind die Praxen überfüllt. Ich persönlich habe nicht die Zeit, einen ganzen Vormittag darauf zu warten, endlich vorsprechen zu dürfen. Zudem wird die Bevölkerung immer älter – wer macht in Zukunft die Hausbesuche? Würde die Stelle nicht nachbesetzt werden, wäre das eine Katastrophe“, so Stefan. F.

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