Lavanttaler Tierhilfe schlägt Alarm: Eine Gesetzesänderung verbietet ab Juli 2018 das öffentliche Anbieten von Tieren durch Organisationen, die über keine eigene Betriebsstätte verfügen

Das ging nach hinten los: Es hätte ein großer Coup werden sollen, um den illegalen Welpenhandel mit Tieren aus dem Ausland zu unterbinden, doch nun steht die ehrenamtliche Arbeit hunderter Tierschützer auf dem Spiel – und damit auch das Wohl der Tiere. Im April hat der Nationalrat das Tierschutzgesetz novelliert. Unter anderem findet sich darin ein Passus, der es Tierschutzorganisationen verbietet, ihre Tiere öffentlich feil- und anzubieten, sofern sie über keine eigene, dem Gesetz entsprechende Betriebsstätte verfügt. „Wie sollen wir neue Besitzer für die Tiere finden?“ Das fragen sich nun all jenen Vereinen, die sich keine eigenen Räumlichkeiten leisten können.

Tiere bleiben auf der Strecke
Einer davon ist die Lavanttaler Tierhilfe unter der Leitung von Manuela Polanc. Gemeinsam mit rund 50 aktiven Mitgliedern setzt sie auf ein Pflegestellensystem, das sich in den sieben Bestandsjahren des Vereins tausendfach bewährt hat. „Unsere Mitglieder fungieren als private Pflegestellen, die Tiere in Not bei sich zuhause gesund pflegen und auf die Weitervermittlung vorbereiten“, erklärt Polanc. „Aktuell sind 150 Katzen auf unsere Pflegestellen aufgeteilt, von denen die Hälfte bereits von neuen Besitzern reserviert ist. Die Betreiber kümmern sich auch selbst um die Weitervermittlung, hauptsächlich über das Internet.“ Und genau hier werden den Aktivisten vom Gesetz Steine in den Weg gelegt: „Wenn wir die Tiere nicht mehr öffentlich anbieten dürfen, wie sollen wir unsere Arbeit weiterführen? Wo sollen die Tiere hin, die wir retten und die uns zugetragen werden?“ fragen sich die Tierschützer. „Unsere Ressourcen sind jetzt schon bis zur Schmerzgrenze ausgelastet. Im schlimmsten Fall werden wir unsere Arbeit einstellen müssen und den Tierschutz im Lavanttal und Umgebung der öffentlichen Hand überlassen, die ja gesetzlich dazu verpflichtet ist. Wir machen das alles freiwillig und in unserer Freizeit.“

Betriebsstätte nötig
Das Gesetz sieht eine Übergangsfrist bis 1. Juli 2018 vor. Bis dahin müssen die Tiereck-Pflegestellen noch mit keinen Strafen rechnen. Doch diverse Onlineportale wie etwa willhaben.at sperren die Annoncen schon jetzt. Ab Juli 2018 muss der Verein über eine eigene Betriebsstätte verfügen, um Tiere weiterhin öffentlich anbieten zu dürfen. Doch die Kriterien sind streng: Neben Kalt- und Warmwasser, räumlich getrennten Unterkünften sowie Sonnenschutzvorrichtungen muss in jeder Betriebsstätte „eine bestimmte Anzahl von Personen mit Kenntnissen über artgemäße Tierhaltung regelmäßig und dauernd tätig sein“, erklärt das Bundesministerium schwammig. „Das bedeutet, dass wir nicht nur eine Betriebsstätte kaufen, bauen oder mieten müssen, sondern auch Angestellte brauchen“, fragt Polanc. Wie viele das sein müssen, steht noch nicht endgültig fest. „Wir haben bereits Anfragen an das zuständige Bundesministerium geschickt, um konkrete Handlungsempfehlungen zu erfahren, doch man lässt uns warten“, kritisiert Polanc.

Die Lavanttaler Tierhilfe hat allein im Vorjahr 600 Tiere weitervermittelt. Wie soll es nach der Gesetzesänderung weitergehen?
Rund 50 ehrenamtliche Mitglieder sind bei der Lavanttaler Tierhilfe im Einsatz und erledigen auch die zahlreichen administrativen Aufgaben

Private Pflegestellen kümmern sich um Notfälle. Doch das neue Gesetz verbietet ihnen das öffentliche Vermitteln der Tiere

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