Almsaison 2018: Auftriebszahlen, Klimawandel und Großraubtiere als größte Herausforderung für die regionale Almwirtschaft. Wölfe auf Millstätteralm vermutet.

Hätten Sie es gewusst? Rund die Hälfte aller bewirtschafteten Almen Kärntens, nämlich stolze 893, befinden sich im Bezirk Spittal. Abgeschlagen auf Platz zwei: der Bezirk Wolfsberg mit 271 Almen. Da passt es gut, dass der Obmann des Kärntner Almwirtschaftsvereines mit Josef Obweger ebenso aus Spittal, genauer gesagt aus Millstatt kommt.

Klimawandel
Beim Ausblick auf die Almsaison 2018 überrascht Obweger mit einer Aussage: „Ein harter Winter mit ausreichend Niederschlag ist der Freund eines jeden Almbauern. Sicher, einige Zäune wird man reparieren müssen, aber Wasser für die Tiere wird es heuer genug geben.“ Demnach sei es nicht gesagt, dass der Almsommer aufgrund des Winters heuer später beginnen müsse. Der Landwirt, der auch an der Landwirtschaftlichen Fachschule Litzlhof unterrichtet, präzisiert: „Grundsätzlich setzt die Almvegetation durch den Klimawandel immer früher ein.“ Bedeutet: Die Erderwärmung lässt die Almvegetation im Vergleich zu den 1980er Jahren um 14 Tage vorher sprießen. Heißt auch: „Das Almvieh muss rechtzeitig und in entsprechender Zahl aufgetrieben werden, sonst besteht die Gefahr, dass die Almen zuwachsen“, erklärt Obweger.

Weniger Vieh
Gleichwohl ein Problem: Die Anzahl der aufgetriebenen Rinder sinkt kärntenweit seit dem Jahr 2010. Den Grund sieht Obweger nicht so sehr im vielzitierten Bauernsterben, sondern in überbordender Bürokratie. Die Diskussion um die Almfutterflächen-Bewertung und den damit verbundenen Nachzahlungen, hätte in den letzten Jahren zu einem Rückgang beim Auftrieb beigetragen. Obweger: „Erst 2015 wurden für die Bewertungen Sicherheitsfaktoren eingeführt, die hohen Nachzahlungen hat niemand verstanden.“ Die Anzahl an aufgetriebenen Rindern, die den Großteil des Almviehs in Kärnten ausmachen, schwand seit 2010 dennoch von knapp 54.000 auf rund 49.000 Tiere im Jahr 2016.

Großraubtiere
Neben dem Klimawandel und bürokratischen Hürden zählen laut Obweger auch Großraubtiere zu einer „absoluten Herausforderung“ für Weidevieh auf der Alm. „Im Gailtal gibt es Bauern, die ihre Schafe überhaupt nicht mehr auftreiben, da der Schaden durch Bärenangriffe zu groß geworden ist und die Bauern ja auch eine Beziehung zu ihren Tieren haben.“ Große Sorgen bereitet den Almbewirtschaftern die Rückkehr von Wölfen in die alpine Kulturlandschaft. Obweger: „Im Lavanttal geht man davon aus, dass mindestens zwei Wölfe unterwegs sind und auch auf der Millstätteralm konnten Jäger vor einem Monat erstmals Wolfsfährten ausmachen.“ Almwirtschaft, Tourismus und Großraubtiere, für Obweger passt das nicht zusammen. „Klar kann man rein theoretisch alles mit meterhohen Elektrozäunen versehen, nur in Gebieten mit flächendeckender Almbewirtschaftung wie der Millstätteralm wäre das praktisch nicht durchführbar und die Wanderer wären durch die Zäune ebenso ausgegrenzt.“ Auch von Herdenschutzhunden hält Obweger, dessen Rinder sich im Sommer auf der Lammersdorfer Alm befinden, nur bedingt etwas. „In Kals in Osttirol wurde letztes Jahr ein offizielles Herdenschutzprojekt mit ständiger Behirtung und dem Einsatz von Herdenschutzhunden wegen zahlreicher auftretender Probleme abgebrochen. Unter anderem wurde eine Wanderin von einem der Herdenschutzhunde angegriffen. Es gibt derzeit bereits ständig Konflikte zwischen Mutterkühen und Wanderern mit Hunden – Herdenschutzhunde würden das Risiko nochmals drastisch verschärfen“, erklärt Obweger. Auf der Millstätter Alm will man die Wölfe nun weiter beobachten. Ob sich die Tiere überhaupt noch vor Ort aufhalten, war bei Redaktions- schluss nicht klar.

41 Sommer auf der Alm
Margaretha und Franz Stinig bewirtschaften die Veidlhütte im Langalmtal in Kaning seit über 40 Jahren und sind Senner aus Leidenschaft. „Wir haben die Hütte 1954 erbaut. Damals war es noch eine kleine Halterhütte. 1969 haben wir sie dann ausgebaut und Jahr für Jahr modernisiert“, erklärt Franz Stinig. So erinnert heute nicht mehr viel an längst vergangene Tage, die geprägt von harter Arbeit waren. Zwar gibt es auch heute noch viel zu tun auf der Alm, aber fließend Wasser in der Hütte, Elektrizität und eine Solaranlage erleichtern das Leben auf der Alm immens. „Mein größter Stolz ist die Wasserstrahl-Vakuum- Melkanlage“, so der 78-jährige Senner.

Almauftrieb
Am 20. Mai geht es für die rund 17 Rinder, ein paar Schweine und Hasen sowie ein Pony wieder auf die Alm. „Der Almauftrieb ist jedes Jahr etwas ganz Besonderes. Vor allem Urlauber oder Kinder sind begeistert von dieser Tradition“, erklärt Margaretha Stinig. Bis 10. Oktober bleiben die Senner mit ihren Tieren auf der Veidlhütte und produzieren dort Käsespezialitäten wie Glundnerkas, Harberkas und vieles mehr. Auch zwei eigene Fischteiche nennen die Senner ihr Eigen. „Uns gefällt die Arbeit als Senner sehr und wir werden das so lange machen, wie wir es gesundheitlich können“, so die Sennerin. Über die Zukunft machen sich die Kaninger keine Sorgen, denn ihre erwachsenen Kinder sind schon seit Jahren mit voller Begeisterung in der Almwirtschaft involviert und werden diese auch in der Zukunft weiterführen. Für Sohn Willi und seine Familie ist die Landwirtschaft etwas ganz Besonderes. „Wir schätzen die Arbeit auf der Alm und genießen jede Minute hier“, so Willi Stinig abschließend.

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