Feine Kleinteiligkeit zeichnen das Kardinalviertel aus. Jetzt wird versucht, mit einem ersten Impuls – einer Open-House-Veranstaltung – dem Leerstand entgegenzuwirken.

Mehr als 30 Leerstände sind im Kardinalviertel Realität. Selbst die Politik muss sich eingestehen, dass sie dieses Viertel mehr als 30 Jahre vernachlässigt hat. Deshalb wird seit mehr als einem Jahr versucht, die Situation in diesem Stadtteil zu erheben und nach Lösungen zu suchen. Das Hauptproblem: Die Kassen der Stadt sind leer. Für große Maßnahmen, wie der Neugestaltung des Kardinalplatzes, fehlt einfach das Geld. Das Klagenfurter Kardinalviertel erstreckt sich von der Getreidegasse im Norden über den Kardinalplatz mit den angrenzenden Gebäuden bis zur Lidmanskygasse im Süden und zur Bahnhofstraße im Westen.

Viertelagentur stellt sich vor
Wie der KLAGENFURTER mehrfach berichtet hat, wurde das Architekturbüro noncomform 2016 mit einer Bestandsaufnahme beauftragt gemeinsam mit Bewohnern und Hauseigentümern eine Bestandsaufnahme zum machen und Ideen für die Entwicklung dieses Stadtteils zu sammeln. Es ergab, dass man nicht bei Null anfängt, da der Mix an Dienstleistern, Betrieben und der Kulinarik bunt und vielfältig ist. Beatrice Bednar und Astrid Meyer-Heinisch bilden mit der Viertelagentur eine von der Stadt beauftragte Arbeitsgemeinschaft. Ihre Aufgabe ist es, Impulse zu setzen und Information gebündelt zu vermitteln. Ab dem nächsten Jahr soll es auch ein Viertelbüro vor Ort geben.

Offene Häuser
Für Ende Oktober bzw. Anfang November (der fixe Termin steht noch nicht fest!) ist eine Aktivität unter dem Motto „Raum frei!“ im Kardinalviertel geplant. Bei einer Open-House-Veranstaltung werden viele Leerstände offen stehen und jeder kann sich schnell und unbürokratisch über das Raumangebot erkundigen. Der Fokus liegt dabei auf den Erdgeschoss-Einheiten .Zusätzlich stehen Experten vor Ort Rede und Antwort. Impulsvorträge in den Leerständen vermitteln Informationen zu Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten, behördlichen Auflagen, erfolgreichen Geschäftskonzepten und Raumgestaltungen. Auch Handwerker werden vor Ort sein, um erste Fragen zu Adaptierungen zu beantworten.

Platz für Diskussionen bleibt
Wie es mit der Tiefgarage am Kardinalplatz weitergeht, darüber wird noch diskutiert. Überlegungen dazu sind erst in der Entwurfsphase. Sollten sich die Vorstellungen konkretisieren, werden eine Um- bzw. Neugestaltung des Kardinalplatzes auch die Interessen der vor Ort lebenden und arbeitenden eingebunden. Der einhellige Tenor von Experten: Bis der Platz ein neues Gesicht bekommt, wird einige Zeit vergehen, die für Aktivitäten im Viertel genutzt werden sollte.

Grundstimmung
Die Stimmung bei den Hauseigentümern ist vorsichtig positiv.Manche ermöglichen schon jetzt temporäre Nutzungen, wie der Raum8 des Künstlers Gerhard Fresachers. Für das nächste Jahr sind weitere Impulse, wie eine Kulinarikreise und eine lange Einkaufsnacht mit musikalischer Begleitun angedacht. Musik kann hier mit mit dem Jazz-Club, einer NMS mit Musikschwerpunkt und dem Klagenfurter Konservatoriu zum Markenzeichen werden. Konzept hin oder her: Eines gibt die Stadt klar zu verstehen: Beim Kardinalviertel ist die Zivilgesellschaft gefragt. Wer ein lebenswertes Grätzl will, darf selbst aktiv werden.

Beatrice Bednar und Astrid Meyer-Heinisch von der Viertelagentur haben als ersten Impuls eine Open-House-Veranstaltung geplant

© KRM

Diesen Bereich hat die Stadt als Kardinalviertel definiert

© Viertelagentur.at