Menschen, deren Jobs von der Digitalisierung bedroht sind, müsse man unterstützen, so Kanzler Sebastian Kurz im Interview mit den KÄRNTNER REGIONALMEDIEN im Rahmen seines Klagenfurt-Besuches.

Herr Bundeskanzler: Gibt es bereits einen endgültigen Starttermin für die Bürgerplattform „oesterreich.gv.at“? 

Sebastian Kurz: Wir werden „oesterreich.gv.at“ Mitte März starten. Ich bin allen dankbar, die an diesem Projekt gearbeitet haben, weil es den öffentlichen Bereich revolutioniert. Es schafft die Möglichkeit des direkten Austausches für den Menschen mit den Behörden auf einem digitalen Weg. Wer möchte, kann noch immer Amtswege persönlich erledigen. Wer Zeit sparen möchte, kann das aber künftig ganz einfach über das Internet machen. 

Sie waren 2016, damals noch als Außenminister, in Villach zu Gast. Damals meinten Sie, es gäbe Länder, die Österreich in Sachen Digitalisierung einiges voraus hätten. Was wären denn hier konkret die Themen?

Sebastian Kurz: Die Digitalisierung ist insbesondere eine Chance für den ländlichen Raum. Es sind in der Vergangenheit viele Jobs vom ländlichen Raum in die Städte abgewandert. Viele Menschen müssen lange Wege in Kauf nehmen um zu ihrem Arbeitsplatz zu pendeln. Je besser die digitale Infrastruktur ist, desto größer die Chance, Jobs wieder in den ländlichen Raum zurück zu verlagern. Unser Ziel ist es, dass wir beim 5G-Ausbau an der Spitze der Europäischen Union sind. Es gibt Länder, die hier jetzt schon einen Vorsprung haben, der nie wieder eingeholt werden kann, zum Beispiel Südkorea. Aber innerhalb der Europäischen Union ist es unser Anspruch, an der Spitze zu sein und hier haben wir auch alles vorbereitet, um diesen Weg erfolgreich gehen zu können.

Die Digitalisierung bringt Chancen, birgt aber auch Risiken. Man geht davon aus, dass Jobs im niedrigeren Lohnbereich künftig durch Automatisierung wegfallen könnten. Wie sehen Sie diese Situation?

Sebastian Kurz: Wichtig ist, dass wir als Republik die Chancen der Digitalisierung nutzen, sonst wird es zu unserem Schaden sein. Grundsätzlich ist es so, dass durch die Digitalisierung wieder mehr Jobs entstehen als wegfallen. Es ist aber nicht selbstverständlich, dass diese Jobs in Österreich oder Europa entstehen und da müssen wir ansetzen. Wir müssen jetzt schon beginnen, Menschen in jenen Bereichen auszubilden, wo in Zukunft Jobs entstehen werden. Und wir müssen Menschen, deren Jobs sich verändern oder teilweise sogar wegfallen, unterstützen, um in neuen Branchen wieder neue Arbeitsplätze zu finden. In Summe bin ich sehr optimistisch, wenn wir diese Veränderung proaktiv nutzen. Wenn wir versuchen, diese Veränderung abzuwehren oder glauben, das zieht an uns vorbei, dann werden die Jobs anderswo entstehen und die Arbeitslosigkeit in Österreich wird wachsen. Wer glaubt, man kann die Digitalisierung vorbeiziehen lassen oder sie verhindern, das ist ungefähr so realistisch wie zu glauben, dass sich das Auto nicht durchsetzen würde, weil die Kutsche ohnehin gut funktioniert.

Foto©: Jakob Glaser