Waldbesitzer Herbert Guggenberger aus Kreuth bei Kötschach kämpft seit nunmehr 6 Jahren für ein korrektes Verfahren in seiner Wildschadencausa.

Ein Windwurfschaden im Jahr 2009 durch das Sturmtief „Paula“ machte es notwendig einen Teil seines Waldes wieder aufzuforsten. Nach den Aufräumungsarbeiten pflanzte Guggenberger 2011 1000 Jungpflanzen (Fichten) an. „Trotz einer Wollumwicklung zum Schutz musste ich bald starke Verbissschäden feststellen“, erzählt Guggenberger. Aus einem Bericht des Bundesforschungszentrums für Wald, für den Bezirk Hermagor, war für den Zeitraum von 2010 bis 2012 eine Steigerung des Wildeinflusses auf 76 Prozent (Plus von 12%) festzustellen. Besonders betroffen in den Wildeinflussflächen sind Fichte, Tanne, Buche und Hartlaubhölzer.

Gutachten gegen Gutachten.
Guggenberger hat sich darauf an die Bezirksforstinspektion (BFI) gewandt, mit der Information, dass die Schadenabwicklung Sache der Landwirtschaftskammer (LK), sowie letztendlich der Jägerschaft sei. In einer Stellungnahme der LK vom 14. Dezember 2011 zu den Wildschäden ist zu lesen, dass eine Besichtigung vor Ort keine Schäden ergeben hat. „Das war natürlich ein herber Rückschlag für mich“, erinnert sich Guggenberger. Im Jahr 2013 führte dann, auf erneute Anfrage seitens Guggenbergers, die BFI eine Schadenerhebung durch. Das Ergebnis: 69 Prozent Verbissschäden. Erklärung seitens der LK: „Beide Gutachter sind richtig vorgegangen, aber das LK-Gutachten unterliegt anderen Richtlinien als die Schadenserhebung der BFI. Erhoben wird der Letztjahresverbiss auf die gesamte Fläche gerechnet. Deswegen die Unterschiede“, informiert Kammeramtsdirektor Hans Mikl. Durch die Unterstützung von Ing. Strasser (BFI) konnte dann eine weitere Schadensbegutachtung seitens der Forstbehörde und der LK in Anwesenheit von LK Präsident Johann Mößler, Leiter des LK-Forstreferats, Günther Kuneth und Ing. Memmer und Ing. Strasser (beide BFI) erreicht werden. Letztendlich wurde von der LK durch Senkung der Toleranzgrenze im Begutachtungsregelwerk auch ein Wildverbiss festgestellt – mit einer geringeren Schadensumme. Verwunderlich ist, dass bei der Schlichtungsbehörde, die für die weitere Schadensabhandlung zuständig ist, nur das Gutachten der LK vorlag, indem kein Schaden festgestellt wurde. Das Gutachten mit einer Schadenfeststellung wurde nicht übermittelt. „Das zweite Gutachten war nicht von der Schlichtungsbehörde angefordert, sondern nur von Guggenberger selbst“, erklärt Kammeramtsdirektor Hans Mikl.

Ende in Sicht?
Nach weiteren Versuchen mit Volksanwalt, Anwalt, bis hin zum Landeshauptmann und Medienberichten ergriff Guggenberger noch einmal die Eigeninitiative und forderte die Schlichtungsbehörde der Gemeinde auf, das Gutachten bei der LK einzufordern. Jetzt scheint es letztlich möglich zu sein, das Schadenverfahren nach dem Kärntner Jagdgesetzt endlich korrekt abzuschließen.

Der Verbiss des Terminaltriebes ist mitunter am schlimmsten, weil der Baum dann nicht mehr richtig gedeihen kann
Kammeramtsdirektor, Hans Mikl: „Aus unserer Sicht als Interessensvertretung ist ein „Null-Gutachten“ natürlich auch unglücklich. Dennoch sind wir an ein Bewertungsregelwerk gebunden. Wir können keine „Gefälligkeitsgutachten“ machen.“

„Das Schlimmste sind nicht einmal die Schäden, sondern wie die eigene Kammer mit ihren Bauern umgeht.“ Waldbesitzer, Herbert Guggenberger

© KRM (3), © LK Kärnten