Vor einigen Monaten haben wir der Jugendnotschlafstelle, kurz JUNO, einen Besuch abgestattet. Damals stark bemängelt wurde das fehlende Tages-Angebot, dieses wird nun umgesetzt.

 

„Wir haben über einen Spender finanzielle Mittel bekommen, um das Projekt „EXTRA“, eine Tagesstruktur, umsetzen zu können. Das, war wir bisher anbieten konnten, war wirklich nur die Notversorgung von 18 bis 9 Uhr. Was aber gebraucht wird, ist ein nachhaltiges Konzept“, betont Elisabeth Ebner, Leiterin der JUNO Villach. Das heißt: Ab 1. August können Jugendliche bedarfsgerecht auf ihrem Weg zu einer eigenen Wohnung begleitet werden. Dies geschieht durch Beratung, auch tagsüber in den Räumen der Juno, Begleitung zu Terminen, in weiterer Folge Beratung in den eigenen vier Wänden sowie auch durch spezielle Gruppenangebote, die tagsüber stattfinden werden. Denn: „Viele schaffen es zwar zu einer eigenen Wohnung, verlieren diese dann aber wieder. Sie haben nicht das Know-how, welches Erwachsene in dem Alter haben sollten. Einerseits haben sie es von ihrer Familie nie gelernt und es gibt auch niemanden, den sie fragen können, bei ganz alltäglichen Dingen wie dem Abschluss von Versicherungen, wie richtet man die Wohnung ein und mehr“, sagt Ebner.

Bis 26 Jahre. Einige kommen zwar bereits jetzt mit ihren Fragen zur abendlichen Anlaufstelle, diese ist aber nur für Jugendliche bis 22 Jahre. Das neue Tagesangebot geht aber bis 26 Jahre, dadurch können Hilfesuchende betreut werden, die aus der bisherigen Struktur hinausgefallen sind. Zählt man mit 26 noch zu den Jugendlichen? Ebner: „Es gibt dazu neue Studien. Einige Jugendliche brauchen einfach viel länger, um erwachsen zu werden. Das sieht man auch im Alltag, es ist ganz schwierig für sie zurechtzukommen. Gerade bei unseren Klienten ist es enorm wichtig, präventiv zu arbeiten, bevor es überhaupt etwa zu einer Delegierung kommt. Je früher man ansetzt, desto eher können sie später ein geregeltes Leben führen.“ Manche würden sogar freiwillig die Wohnung kündigen, da sie sich mit der Situation überfordert oder einsam fühlen. Ebner: „Auch da können wir mit regelmäßigen Besuchen tagsüber helfen.“ Da das Projekt durch eine Spende ermöglicht wurde, läuft es vorerst für ein Jahr. „Bis dahin hoffen wir, Land und Stadt überzeugen zu können, dass sie die Weiterfinanzierung übernehmen. Der Bedarf ist jedenfalls sehr groß“, so Ebner.

Nachfrage steigt. Was auch aus dem eben erschienen JUNO Jahresbericht 2017 hervorgeht. Die Anzahl der sogenannten „Gesamtkontakte“ ist gestiegen – um rund 300. Ebner: „In der Anlaufstelle gab es viel Nachfrage nach Beratung und Grundversorgung, ohne Übernachtung, nämlich 2121 mal. Die Übernachtungen selbst waren aber – zum Glück – rückläufig, es waren mit 1145 Nächtigungen um ca. 300 Nächtigungen weniger, als in den ersten 12 Monaten nach unserer Eröffnung.“ Für Ebner ein Zeichen mehr, dass die Tagesstruktur eine Orientierung hin zu dem ist, was die Klienten brauchen. „Damit wird unser Angebot an die Bedürfnisse angepasst. Die Jugendlichen sind mit eigener Wohnung sicher leichter zu betreuen als stationär.“

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