Das sagt Hundetrainer Robert Koloini. Sind nicht doch gewisse Rassen gefährlicher als andere? Wir haben mit Villacher Hundehaltern gesprochen – und über ihre Erfahrung mit „Kampfhunden“.

Ein Dackel, der ein Kind im Gesicht schwer verletzt. Jener furchtbare Fall des einjährigen Bubens, der in Wien von einem Rottweiler tödlich verletzt wurde. In den vergangenen Wochen beherrschte das Thema „Hundeattacke“ die Medien. Der Unfalldatenbank an der Kinder- und Jugendchirurgie Graz zufolge werden in Österreich täglich zwei bis drei Kinder von einem Hund verletzt, besonders gefährlich sind „große“ Hunde mit einer Schulterhöhe über 44 Zentimeter. „Jeder Hund kann durch gewisse Reize zur Waffe werden. Meine Hunde sind top ausgebildet. Aber ich lege für sie trotzdem nicht die Hand ins Feuer“, sagt der Villacher Hundetrainer Robert Koloini. Das Problem fange beim Menschen an. „Viele Leute wissen nicht, welcher Hund zu ihnen passt. Ich bin für einen verpflichtenden Hundeführerschein in Kärnten – für alle.“

Kinder und Hund. Eine auf den ersten Blick ungewöhnliche Kombination ist bei Simone Jatropulus in Lind ob Velden zu finden. Jatropulus arbeitet als selbständige Tagesmutter – ständig an ihrer Seite ist die 4-jährige „Wilma“, ein Staffbull-Mischling. „Wenn ich nicht wüsste, dass sie in Bezug auf Kinder sicher ist, könnte ich den Job so nicht machen. Ich habe aktuell bis zu sechs Kinder bei mir, von 15 Monaten bis 2 ½ Jahre. Wilma ist Teil meines pädagogischen Konzepts“, sagt Jatropulus und ergänzt: „Man kann keinen Hund von vornherein nur aufgrund der Rasse als „böse“ abstempeln.“ Es sei ein schwieriges Thema. „Viele wollen eine Maulkorbpflicht für „gefährliche“ Rassen. Ich persönlich habe keine gute Erfahrung mit kleinen Hunden. Wenn, dann müsste diese Pflicht für alle Hunde gelten. Und eine allgemeine Maulkorbpflicht wäre, denke ich, nicht zielführend.“

Sündenbock. Auch Nicole Piendl aus Treffen und Miriam Glatz aus Villach haben „Kampfhunde“. „Jeder Vorfall ist zu viel, aber wenn eine Hundeattacke passiert, dann kommen immer unsere Hunderassen ins Gespräch, sie sind der Sündenbock. „Listenhunde“ sind nicht gefährlicher als andere Rassen, das Problem liegt immer am anderen Ende der Leine. Man muss sich mit dem Hund beschäftigen“, sagt Glatz. Piendl, Besitzerin eines englischen Bull-Terriers, betont: „Der illegale Hundehandel gehört abgestellt. Jeder kann jeden Hund bekommen, ohne sich Gedanken zu machen.“ Negative Bemerkungen zu ihren Hunden gäbe es oft. „Manche schauen schon komisch. Die spezielle Kopfform von „Castro“ erschreckt manche Menschen. Selbst innerhalb der Hundehalterszene wird man in gewisse Schubladen gesteckt. Ich halte mich an die Leinen- oder Maulkorbpflicht, je verantwortungsbewusster man handelt, umso mehr werden diese Hunde akzeptiert. Es kommen uns regelmäßig Leute entgegen, deren Hund nicht angeleint ist, und die einfach sagen, der tue nichts“, sagt Piendl. Eine Lösung für die Probleme zu finden sei schwer. „Eigentlich haben wir schon gute Gesetze, die aber einfach nicht kontrolliert bzw. eingehalten werden. Etwa beim Kirchtag waren viele mit Hund unterwegs, alle ohne Maulkorb, es kontrolliert ja auch niemand“, so Piendl.

 

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