Ein Drittel der Kärntner Lenker greift beim Fahren zum Handy – Telefonieren, Nachrichten lesen und schreiben sowie Navi bedienen sind häufigste Ablenkung. Mit St. Veiter Chefinspektor Walter Schlintl im Gespräch.

Die IFES-Umfrage im Auftrag der Asfinag zeigt: Nahezu ein Drittel gibt zu, das Handy hinter dem Steuer dafür zu benützen, obwohl es verboten ist. „Ablenkung ist in Österreich die Unfallursache Nummer 1. Der Gefahr, welche Ablenkung bei Handy-, aber vor allem Smartphonenutzung im Straßenverkehr mit sich bringt, sind sich Verkehrsteilnehmer oft nicht bewusst und unterschätzen die schwerwiegenden möglichen Folgen. Ablenkung durch das Handy ist insbesondere bei jungen Verkehrsteilnehmern stark verbreitet, da die Verfügbarkeit und die Nutzung von Handys in dieser Altersgruppe sehr hoch ist“, so Walter Schlintl, Chefinspektor des Bezirkspolizeikommandos St. Veit.

Ausrede Multitasking
Warum kann man nicht widerstehen, eine Nachricht zu lesen – obwohl man weiß und erlebt hat, dass es stark ablenkt? Die renommierte Verkehrspsychologin Dr. Bettina Schützhofer liefert Erklärungsansätze: „Es liegt ein gefährlicher Mix aus positiver Einstellung zum Handy am Steuer, subjektiver Wahrnehmung der Anderen und falscher Selbsteinschätzung vor. Zusammengefasst in etwa: ‚Multitasking ist gut und spart Zeit‘, fast alle nutzen das Smartphone am Steuer‘ und ‚außerdem fahre ich besser als die meisten anderen‘. Erschwerend kommt hinzu, dass Handygebrauch – obwohl seit fast 20 Jahren verboten – sowie andere Nebentätigkeiten am Steuer für viele bereits zur alltäglichen Gewohnheit wurden.“

Schwerpunkte St. Veit
Im Bezirk gibt es pro Monat mindestens vier Schwerpunktaktionen zum Thema „Telefonieren und Gurt“. An dieser Schwerpunktaktion wirken alle Außendienste des Bezirkes sowie extra dafür eingeteilte Bezirksverkehrsdienste mit Zivilfahrzeugen mit. Wer während des Fahrens ein Mobiltelefon nutzt (telefonieren ohne Freisprecheinrichtung, SMS lesen, Internet surfen etc.), wird mit einem Organmandat von 50 Euro bestraft. Wenn die Bezahlung dieses Strafbetrags verweigert wird, erfolgt eine Anzeige an die Behörde, die eine Geldstrafe bis zu 72 Euro, im Falle der Uneinbringlichkeit eine Freiheitsstrafe bis zu 24 Stunden, verhängt.

Die größten Risiken
Aufmerksame Lenker haben eine Reaktionszeit von einer Sekunde oder weniger. Wer mit dem Smartphone hantiert, braucht oft mehrere Sekunden, um auf eine Gefahr reagieren zu können. Bei 130 km/h auf der Autobahn fährt man pro Sekunde etwa 36 Meter – nur drei Sekunden unaufmerksames Fahren genügen, um mehr als die Länge eines Fußballfeldes „blind“ zu fahren. Ist man mit 130 km/h im zu geringen Abstand von 50m zum vorderen Fahrzeug unterwegs und dieses bremst plötzlich ab, dann genügen zwei Sekunden Unachtsamkeit, um so gut wie ungebremst ins Auto zu krachen.

Verkehrspsychologin Dr. Bettina Schützhofer

Walter Schlintl, Chefinspektor des Bezirkspolizeikommandos St. Veit

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