Sie leben gefährlich, sind immer in Alarmbereitschaft und sind oft die Verfasser wichtiger Gewitter- und Sturmwarnungen: Der St. Andräer Daniel Rus gewährt dem LAVANTTALER einen Einblick in die abenteuerliche Welt der Sturmjäger.

Wenn Sie demnächst wieder einmal eine Sturm- oder Gewitterwarnung für das Lavanttal lesen, ist es gut möglich, dass diese von Daniel Rus kommt. Er ist der einzige aktive „Stormchaser“ des Lavanttals. Ausgerüstet mit Foto- und Videokamera, Stativ und interaktiven Radarkarten fährt er den Naturgewalten entgegen und dokumentiert diese. Heraus kommen beeindruckende Fotos und Videos – so haben Sie das Lavanttal bestimmt noch nie gesehen. „Ich habe ständig einen Blick auf die Radarbilder“, erklärt der 27-jährige Metallbearbeitungstechniker sein außergewöhnliches Hobby. „Wenn ich bemerke, dass eine Schwergewitterlage im Anmarsch ist, schrillen bei mir schon alle Alarmglocken.“ Nun werden die Daten permanent analysiert, bis klar wird, wo die Gewitterwahrscheinlichkeit am höchsten ist. „Wenn ich das herausgefunden habe, begebe ich mich in diesem Gebiet in eine möglichst günstige Position. Dann beginnt das so genannte Nowcasten.“ Darunter versteht man das ständige Vergleichen der Radardaten mit den berechneten Werten. Wenn alles stimmt, bleibt der Sturmjäger in Position. Sollte es Abweichungen geben, begibt er sich an einen anderen, vorteilhafteren Ort.

Fotos und Warnungen
Wenn das Gewitter so richtig loslegt, ist der Sturmjäger hautnah am Geschehen. „Ich fotografiere und filme den Sturm, wobei ich darauf achte, immer vor der Gewitterzelle zu bleiben – aus Sicherheitsgründen“, so Rus. „Und weil man von dort aus die besseren Aufnahmen bekommt.“ Parallel dazu erfüllt er auch die zweite, gemeinnützige Funktion des Sturmjägers: Als „Augenzeuge“ kann er am besten über die Intensität des Sturms berichten und voraussagen, wohin er ziehen wird. „Während des Chasens sende ich regelmäßig Sprachnachrichten an die Stormhunters Austria, unseren übergeordneten Verein. Dieser verbreitet die Warnung über verschieden Kanäle, unter anderem über Österreichische Unwetterzentrale www.uwz.at.“

 

Süchtig nach dem Sturm
Extreme Wetterphänomene haben Daniel Rus immer magisch angezogen. Schon als Kind ist er mit dem Fahrrad den Stürmen entgegen gefahren, während sich andere in ihren Häusern in Sicherheit gebracht haben. „So richtig ernsthaftes Stormchasing betreibe ich seit meinem Einstieg beim Verein Stormhunters Austria vor sieben Jahren.“ Während der Hauptsaison von Mai bis September ist Daniel bei fast allen Gewittern im Lavanttal vor Ort. Immer wieder zieht es ihn aber auch in die Südsteiermark oder ins angrenzende Ausland. „Mich fasziniert es einfach, diese Naturgewalt in Bild und Ton festzuhalten. Die meisten Menschen können sich gar nicht vorstellen, wie heftig so ein Sturm werden kann.“ Obwohl Daniel sehr viel Wert auf Sicherheit legt, ist es aber auch schon zu kritischen Situationen gekommen. „Ich dachte, mich weit genug vor dem Sturm zu befinden und baute in Ruhe mein Stativ auf, als in unmittelbarer Nähe ein Blitz einschlug. Es gab einen mächtigen Knall und ich konnte für einige Zeit nichts mehr sehen. Glücklicherweise ging alles glimpflich aus.“ Einen Traum möchte sich Daniel in Zukunft erfüllen: „Einmal möchte ich die so genannte Tornado Alley im mittleren Westen der USA besuchen. Dort ist die Chance besonders groß, einen ausgewachsenen Tornado fotografieren zu können.“

„Gerne nehme ich Interessierte zum Stormchasen mit“, lädt Daniel Rus ein

Interessierte können sich auf der Facebookseite „Sturmjäger Daniel Rus“ über Daniels neueste Aktivitäten informieren.

Solche Aufnahmen sind nicht alltäglich

Schweres Gewitter mit hoher Blitzintensität, Hagel und Starkregen über St. Andrä

© KRM (großes Foto), © Daniel Rus (kleine Fotos)