Nach 47 Jahren als Hofkapellmeister der Villacher Faschingsgilde gibt Hermann Ortner seinen Posten an Christian Duss ab.

Bei der Hofkapelle gibt es einen Brauch: Am Freitag vor jeder Fernsehsitzung treffen sich die Musiker vorher auf ein Achterl an der Bar. Heuer ergriff Hofkapellmeister Hermann Ortner als erster das Wort und teilte seinen Musikern die Entscheidung mit: „Dies ist mein letzter Fasching als Hofkapellmeister.“ Mit dabei in der Runde damals auch sein nunmehriger Nachfolger, Christian Duss. Der Direktor der Musikschule Gegendtal/Bodensdorf zum DRAUSTÄDTER: „Es war für alle überraschend, danach war es erst einmal still.“ Auf die Performance bei der Fernsehsitzung hatte der angekündigte Rücktritt von Lei-Lei-Legende Ortner (55 Jahre beim Villacher Fasching, 47 davon als Kapellmeister, Anm.) allerdings keinen Einfluss. Ortner: „Ich habe mir das vorher gut überlegt, aber das sind alles gestandene Musiker, die haben das dann souverän gemeistert.“

Auserkoren
Der Nachfolger stand mit Christian Duss schnell fest. Duss: „Hermann hat mir gesagt, dass er sich mich als neuen Kapellmeister sehr gut vorstellen kann und so ein Angebot kann man natürlich nicht ablehnen.“ Der zweifache Papa ist mittlerweile seit 13 Jahren Trompeter in der Hofkapelle. „Wenn man einmal den Faschingsvirus hat, dann hat man ihn.“ Wie Duss damals zum Fasching kam: „Wir haben ihn nach einem Ausfall eines anderen Musikers kurzfristig angerufen und dann ebenso spontan eine Probe einberufen“, erinnert sich Ortner. „Nach den ersten Takten habe ich mir vor lauter Freude schon ein Bier bestellt.“

Lei-Lei-Geschichte
Unter der Ägide von Hermann Ortner entwickelte sich der heute bekannte Bigband-Sound der Hofkapelle. Ortner wurde damals noch von „Weichensteller“ Heinz Erlach gefragt, ob er sich denn ein solches Projekt vorstellen könne. „Ich habe ein paar Monate gebraucht, aber dann stand die Formation“, erinnert er sich. Was Ortner seinem Nachfolger mit auf dem Weg gibt: „Die besten Wünsche, die Noten vom Narrenmarsch und vom Faschingslied…“.

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