130 Kilometer lang wird die gesamte Koralmbahn sein. Auf 23 Kilometern führt sie durch den Bezirk Völkermarkt. Regionalstrecke „Bleiburger Schleife“ wird modernisiert und angebunden. Ein VÖLKERMARKTER-Lokalaugenschein auf der Baustelle.

Die 1964 in Betrieb genommene Jauntalbrücke ist mit 96 Metern Höhe über der Drau eine der höchsten Eisenbahnbrücken Europas. Sie ist ein wichtiger Baustein der künftigen Koralmbahn und das Kernstück des zehn Kilometer langen Bauabschnittes Aich – Mittlern. „Von Graz kommend betritt man hier das erste Mal den Bereich südlich der Drau“, veranschaulicht Projektleiter Gerald Zwittnig von der ÖBB Infrastruktur AG, zuständig für den Baustellenbereich von Mittlern bis Wolfsberg. Dieses „Gustostückerl“ sozusagen hebt man sich bis zum Schluss auf: „Die Jauntalbrücke ist im Abschnitt Aich – Mittlern der schwierigste Teil. Sie wird im Bestand erhalten und von derzeit eingleisig auf zweigleisig adaptiert“, erklärt Zwittnig.

Puzzlestück
„In Summe bauen wir 23 km der Koralmbahn im Bezirk Völkermarkt – von der Jauntalbrücke bis zur neuen Draubrücke bei Stein“, so der Projektleiter weiter. Vier Projektteams (zwei in Kärnten, zwei in der Steiermark) sind für die insgesamt 130 km lange Koralmbahn im Einsatz. Der Bauabschnitt Aich – Mittlern führt von der Jauntalbrücke Richtung Bleiburg und schwenkt bei Aich/Wiederndorf nach Westen in das Waldgebiet der Dobrowa Richtung Mittlern. „Der Streckenbau in diesem Bereich ist größtenteils fertig, zehn Brückenobjekte wurden fertiggestellt“, informiert Zwittnig. „Im April 2017 wurde hier mit den Arbeiten begonnen, es war sozusagen das letzte Puzzlestück.“

Bleiburger Schleife
Aich-Wiederndorf wird eine neue Haltestelle und die Regionalstrecke „Bleiburger Schleife“ (zwischen Aich und St. Michael ob Bleiburg) an die Hochleistungsbahn angebunden. „Zwölf Kilometer der bestehenden Bleiburger Schleife werden modernisiert“, ergänzt Zwittnig, der auf die Bedeutung der künftigen Bahnverbindungen verweist: „Ganz Unterkärnten wird verkehrsmäßig neu aufgesetzt und die Region profitiert von der Infrastruktur. Der Bahnhof Lavanttal hat eine große Bedeutung, die Fahrzeit von dort nach Graz wird 36 Minuten betragen – hier geht es um die Anbindung nach Wolfsberg. Der Bahnhof Kühnsdorf ist sehr wichtig für den Klopeiner See. Es ergeben sich völlig neue Möglichkeiten, die auch für Betriebsansiedelungen und Gewerbeflächen sehr interessant sind.“

Naturschutz
Beim Bauprojekt sind auch Naturschutz-Auflagen zu erfüllen. Von den zehn Brücken im Bauabschnitt sind zwei Wildbrücken (eine davon die innovative „Freiformschale“, die mit der TU Wien entwickelt wurde) und es gibt eine Wildunterführung. Die „Ersatzwege“ werden bei bekannten Korridoren errichtet, damit sie von den Tieren angenommen werden, müssen u.a. eine entsprechende Breite und Bepflanzung gegeben sein. „Naturschutz hat einen hohen Stellenwert“, so Zwittnig, „und viele ökologische Ersatzflächen wurden bereits im Vorfeld geschaffen.“

Abschnitt St. Kanzian
Bereits heuer im Frühling wurde mit dem Tunneldurchschlag in Untersammelsdorf bei der Tunnelkette St. Kanzian ein technisch besonders anspruchsvolles Bauwerk im Rohbau fertiggestellt und der Vortrieb erfolgreich beendet. Es war der letzte Tunneldurchschlag auf Kärntner Seite der Koralmbahn. Markante Punkte im Bauabschnitt St. Kanzian, in dem von 2015 bis ca. Ende 2019 gearbeitet wird, sind der Grüntunnel Peratschitzen sowie die Tunnel Srejach und Untersammelsdorf, die in schwierigen Bodenverhältnissen errichtet wurden, und zwei neu errichtete Eisenbahnbrücken.

Teilinbetriebnahme 2023
„Die Gesamtfertigstellung der Koralmbahn ist für Ende 2025 geplant, sodass sie mit dem neuen Fahrplan in Betrieb gehen wird“, informiert Gerald Zwittnig. Die Teilinbetriebnahme der Strecke Klagenfurt – Wolfsberg (bis zur Zulaufstelle zum Koralmtunnel) ist für Ende 2023 geplant. In den drei „Koralmbahn-Infoboxen“ in Kühnsdorf, Wolfsberg und Klagenfurt kann man sich täglich über das Projekt und die Arbeiten informieren. Weitere Infoveranstaltungen wie der „Tag der offenen Baustelle“ sind ebenfalls geplant.

Projektleiter Gerald Zwittnig

Die Hochleistungsstrecke der Koralmbahn wird zweigleisig verlaufen, mögliche Höchstgeschwindigkeit 250 km/h.
Allein der Abschnitt Aich-Mittlern hat vier Bahnbrücken mit Straßenunterführung, drei Straßenbrücken und zwei Wildbrücken
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