Wer sich Hilfe suchen möchte, um endlich von den Drogen wegzukommen, hat in St. Veit leider keine guten Chancen. Weder eine Drogenambulanz, noch eine spezielle Einrichtung mit geschultem Personal ist vorhanden.

Rund 30 bis 50 Personen aus dem Bezirk St. Veit suchen in der Drogenambulanz Klagenfurt Hilfe, da es in St. Veit keine Einrichtung gibt. „Zu uns kommen Personen, die bereits in einer wirklichen Abhängigkeit stecken. Die meisten Drogen sind Heroin, Kokain oder Beruhigungsmittel. Die Anzahl der Drogensüchtigen steigt von Jahr zu Jahr“, so Dr. Claudia Scheiber, Drogenambulanz Klagenfurt. „Hauptsächlich betrifft es 20- bis 30-Jährige. Die unter 18-Jährigen werden direkt im Klinikum Klagenfurt versorgt.“

Keine Einrichtung in St. Veit.
„Die meisten Abhängigen nehmen oft ein Leben lang Medikamente wie Methadon. Der körperliche Entzug ist schnell getan. Doch clean werden und bleiben ist ein harter Weg. Das Wesentliche ist, dass man selbst clean werden möchte“, so Dr. Scheiber. „Von den neuen starken Substanzen ist die Wirkung meist nicht bekannt und die meisten Sterbefälle treten bei einer Überdosis von einer Mischung aus mehreren Suchtgiften auf.“

Einstiegsalter 14-15 Jahre.
Synthetische Drogen sind am Vormarsch. Das Problem: Der Markt bringt ständig neue Drogen, noch bevor überhaupt die bestehenden richtig erforscht wurden und die Wirkung bekannt ist. „Bereits mit 14 bzw. 15 Jahren fängt die Sucht mit Cannabis an. Da ist es noch vermehrt eine Peer Group-Sache, weshalb die Prävention eine große Rolle spielt. Umso älter die Menschen sind, umso mehr ist professionelle Hilfe gefragt“, so MMag. Elisabeth Mandl vom AVS. „Leider gibt es im Bezirk St. Veit keine spezielle Einrichtung, sondern nur ein Beratungszentrum mit Psychotherapeuten, welche aber weiterverweisen und nur von Montag bis Freitag erreichbar sind.“

Statement Polizei.
Chefinspektor Karl Schnitzer, Leiter des Ermittlungsbereichs Suchtmittelkriminalität im Landeskriminalamt Kärnten, ist ebenfalls alarmiert: „In den letzten vier Jahren gab es insgesamt 38 Drogentote kärntenweit, davon waren drei im Bezirk St. Veit wohnhaft. Nun gab es heuer nach nur einem Monat schon zwei Drogentote.“ Im Jahr 2014 gab es fünf Tote – im Jahr 2017 gab es schon zwölf Tote! „Als hauptsächliche Todesursache wurde eine sogenannte Mischintoxikation (Mischvergiftung) durch die Konsumation von verschiedenen Suchtgiften festgestellt. Dabei konnten meist Opiate wie zum Beispiel Heroin in Verbindung mit weiteren Suchtmitteln festgestellt werden“, so Schnitzer.

Chefinspektor Karl Schnitzer, Leiter Suchtmittelkriminalität im Landeskriminalamt Kärnten
Fachbereichsleitung beim AVS Mag. Elisabeth Mandl

Dr. Claudia Scheiber, Drogenambulanz Klagenfurt

Hauptbild © eyetronic/stock.adobe.com; Portrait Schnitzer © LPD Kärnten, Portrait Mandl © Elisabeta Mirion; Portrait Scheiber © Furgler