Die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Tafel Österreich versorgen notleidende und mittellose Menschen wöchentlich in der Rotkreuz-Bezirksstelle Wolfsberg mit wichtigen Nahrungsmitteln.

An jedem Samstag schwärmen die Helfer der Tafel Österreich im ganzen Lavanttal aus. Ihr Ziel: Supermärkte und Geschäfte von Bad St. Leonhard bis St. Andrä. Bei ihnen erhalten sie pro Wochenende zwischen 350 und 600 kg Waren. „Die Palette ist breit, aber in erster Linie handelt es sich um Grundnahrungsmittel: Gebäck, Milchprodukte, Obst, Gemüse“, sagt Bezirkskoordinator Franz Karner. „Wir arbeiten sehr gut mit Hofer, Billa, Spar, Penny und der Knusperstube Storfer zusammen. Sie stellen uns überflüssige einwandfreie Lebensmittel zur Verfügung, die zwar noch frisch sind, sich aber zum Verkauf am darauffolgenden Montag nicht mehr eignen.“ Hinzu kommen gelegentliche Spenden von anderen Firmen, Bauern und Privatpersonen. Da kommt da eine ganze Menge zusammen: Pro Jahr werden mindestens 20 Tonnen an Naturalien verteilt.

Bis zu 113 Benefizienten
Bei der Vergabe samstags ab 19 Uhr kommen zwischen 50 und 60 Personen zur Rotkreuz-Bezirksstelle. Sie alle befinden sich aus den unterschiedlichsten Gründen in Notsituationen: Plötzliche Arbeitslosigkeit, zu geringe Einkünfte, Scheidung, Verschuldung und nicht zuletzt Mittellosigkeit aufgrund von Flucht aus dem Heimatland: „Etwa die Hälfte der Benefizienten hat Migrationshintergrund, die andere Hälfte sind Einheimische.“ Das sah zu Zeiten der großen Flüchtlingswelle 2015 noch anders aus: „Hier verzeichneten wir bis zu 113 Besucher. Wir hatten den Eindruck, dass sich aufgrund der großen Anzahl an Flüchtlingen viele Lavanttaler nicht mehr zur Ausgabe trauten“, erinnert sich Teamleiter-Stv. Johann Schleinzer. Doch mittlerweile hat sich das Klima stark verbessert: „Viele Migranten sind in die großen Städte weitergezogen und diejenigen, die noch hier sind, verstehen sich mit den Einheimischen.“ Schöne Notiz am Rande: Zwei Syrer, die anfangs als Bedürftige kamen, arbeiten nun selbst als Ausgeber mit.

Keine Angst
Scham ist ein weiterer Grund, warum sich Menschen in Nöten nicht an die Tafel Österreich wenden. Was, wenn mich jemand erkennt? Eine Frage, die viele daran hindert, über den eigenen Schatten zu springen. Doch die Angst ist unbegründet: „Wir begegnen den Menschen auf Augenhöhe, stellen keine unangenehmen Fragen. Kommt eine bekannte Person, sage ich: Schön, dass du da bist. Wie kann ich dir helfen?“, erklärt Schleinzer.

Fair und geregelt
Wer das erste Mal den Dienst der Tafel in Anspruch nimmt, erhält nach der einmaligen Registrierung eine Berechtigungskarte. Voraussetzung dafür ist die Unterschreitung bestimmter Einkommensgrenzen (siehe Infobox). Missbrauchsfälle wurden bisher noch keine verzeichnet. Damit alles fair und geregelt abläuft, bestimmt ein Losverfahren, welcher der Anwesenden zuerst aus dem Angebot schöpfen kann.

Helfer gesucht
Pro Ausgabetermin sind rund zehn der insgesamt 48 Tafel-Mitarbeiter vor Ort. Die Altersspanne liegt etwa zwischen 20 und 80 Jahren. „In diesem Jahr haben wir bisher 2.100 Arbeitsstunden investiert“, fasst Karner zusammen. Über Hilfe freut man sich immer: Wer über 16 Jahre alt ist, samstags Zeit hat und sich sozial engagieren will, kann sich bei der Rotkreuz-Bezirksstelle näher informieren und anmelden. In Hinblick auf den Warentransport ist ein eigener Führerschein von Vorteil. Willkommen sind jederzeit auch Spenden von Waren. Besonders Babynahrung und Toilettartikel stehen hoch im Kurs.

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Tafel Österreich versorgen auch in Wolfsberg notleidende Personen mit Nahrungsmitteln. Im Bild: Ulrike Kraus

Die ausgegebenen Lebensmittel sind einwandfrei und vielfältig

Bezirkskoordinator Franz Karner und Mitarbeiterin Ulrike Kraus bei der Ausgabe in der Garage der Bezirksrettungsstelle Wolfsberg

Monatliche Einkommensgrenzen für die Bezugsberechtigung
1 Erwachsener: 1.185 Euro
1 E + 1 K (unter 14 Jahre): 1.540 Euro
1 E + 2 K: 1.895 Euro
2 E: 1.777 Euro
2 E + 1 K: 2.132 Euro
2 E + 2 K: 2.488 Euro
2 E + 3 K: 2.843 Euro
Jedes weitere Kind: +355 Euro. Jeder weitere Erwachsene: +592 Euro.

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