Der Kärntner Fußballverband schlägt Alarm: Woche für Woche findet sich für einen Großteil der Nachwuchsspiele kein Schiedsrichter. Neues Hilfsschiedsrichter-Projekt soll Abhilfe schaffen.

Als Randbezirk ist das Lavanttal vom immer schlimmer werdenden Schiedsrichtermangel besonders stark betroffen. Von rund 60 Spielen, die jedes Wochenende stattfinden, findet besonders im Nachwuchsbereich ein Großteil ohne Schiedsrichter statt: „Kann ein Spiel nicht besetzt werden, müssen die beteiligten Mannschaften improvisieren. Oft teilen sich dann die Trainer die Schiedsrichterfunktion. Das ist natürlich alles andere als optimal“, erklärt Stefan Koschel, Gruppensprecher der Schiedsrichter in Wolfsberg. Im Bezirk stehen aktuell nur elf Schiedsrichter zur Verfügung.

Hilfsschiri werden
Um die Situation zu verbessern, hat der KFV in Kooperation mit dem Kärntner Schiedsrichterkollegium ein neues Projekt aus der Taufe gehoben. In Zukunft sollen im heimischen Nachwuchsbereich so genannte Hilfsschiedsrichter zum Einsatz kommen. „Die Ausbildung dauert einen halben Tag und wir je nach Regionen aufgeteilt. Auch die Kosten der Erstausstattung wird vom KFV übernommen“, sagt Schiedsrichterobmann Hartwig Gangl. Angesprochen werden sollen Vereinsfunktionäre, aber auch aktive Spieler. „Wir orientieren uns dabei am Vorzeigemodell des Oberösterreichischen Fußballverbandes. Dort ließen sich bis dato mehr als 3.400 Personen zum Hilfsschiedsrichter ausbilden“, erklärt der Präsident des Kärntner Fußballverbandes Klaus Mitterdorfer. Die Voraussetzungen für einen Posten als Hilfsschiedsrichter: Mindestalter 15 Jahre (bei Minderjährigen Einverständniserklärung der Eltern) und der korrekte Umgang mit der deutschen Sprache. Einem Hilfsschiedsrichter steht die halbe Spielleitergebühr zu, die sich je nach Liga unterscheiden. In der U15 erhält ein vollwertiger Schiedsrichter beispielsweise 24 Euro, ein Hilfsschiedsrichter 12 Euro. Anmeldungen werden ab sofort unter hartwig.gangl@gmx.at entgegengenommen.

Persönliche Entwicklung
Über die Gründe für den Schiri-Rückgang kann man nur spekulieren: „Bei vielen ist wohl die Angst zu groß, bei Fehlentscheidungen vom Publikum ausgebuht zu werden“, so Gruppensprecher Koschel. Eine starke Persönlichkeit ist wichtig, doch die Tätigkeit als Schiedsrichter trägt auch zur Bildung einer solchen bei. „Als Schiedsrichter muss man sich am Platz als Respektsperson beweisen“, sagt Gruppensprecher Koschel. „Ich persönlich profitiere sehr von dieser Tätigkeit.“

Schiri-Ausbildung
Obwohl vor allem der Nachwuchsbereich vom Hilfsschiedsrichter-Projekt profitieren wird, ist die die Nachfrage nach „vollwertigen“ Schiris weiterhin groß. Im Gegensatz zu Hilfsschiedsrichter durchläuft ein „vollwertiger“ Schiri einen anderen Ausbildungsweg. Interessierte können unter www.schiri.at ihre Daten hinterlassen und werden vom Nachwuchsbeauftragten Michael Maier kontaktiert. Im Rahmen einer Regelschulung erhält der potentielle Schiedsrichter den theoretischen Unterbau für seine Aufgabe. Dazu zählen etwa die Pfeifensprache und Kenntnisse der Fahnenzeichen. Die sportliche Eignung wird ihm Rahmen eines Lauftests festgestellt, den jeder Schiedsrichter jährlich absolviert. Die sportlichen Anforderungen richten sich dabei nach der jeweiligen Spielklasse, in der der zukünftige Schiri tätig sein soll. Um nicht ins kalte Wasser springen zu müssen, begleitet der Nachwuchsschiedsrichter einen erfahrenen Kollegen bei insgesamt sechs Spielen. Danach geht es ans Eingemachte: Die ersten „eigenen“ Spiele werden gepfiffen. Aber auch da ist der Schiedsrichter noch nicht alleine am Platz. Er wird von einem arrivierten Schiedsrichter begleitet, der ihm Feedback und Verbesserungsvorschläge gibt.

KFV-Präsident Klaus Mitterdorfer: „Die Ausbildung zum Hilfsschiedsrichter ist kostenlos“

Das Schiedsrichterkollegium vom KFV hat bereits vor einem Jahr auf akuten Schiedsrichtermangel hingewiesen

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