Die Erntebilanz 2017 für Kärnten ist da. Inklusive einem österreich- und einem weltweiten Ausblick auf das Erntejahr 2017.

Die Maisernte in Kärnten ist derzeit in vollem Gange. Gut die Hälfte des Körnermaises (Anbaufläche ca. 15.000 Hektar) dürfte bereits eingebracht sein. Die Erträge sind kleinregional sehr unterschiedlich. Man kann von einer durchschnittlichen Ernte von 10,5 Tonnen je Hektar ausgehen, die geringfügig unter dem Jahr 2016 liegt. Die Anbaufläche von Mais hat gegenüber dem Vorjahr geringfügig zugenommen. Leider zugenommen hat auch der Befall mit dem Maiswurzelbohrer, sodass seit dem vergangenen Jahr auch wirtschaftliche Schäden zu verzeichnen sind. Die Landwirtschaftskammer Kärnten betreibt neben dem Maiswurzelbohrer- und Mykotoxinmonitoring auch ein Sortenscreening, sodass den Landwirten Sorten empfohlen werden können, bei welchen maximale Korngesundheit gewährleistet werden kann.

Getreide
Die Getreidesituation 2017 war sehr durchwachsen. Nach dem langen trockenen Winter waren viele Bestände durch Kahlfrost geschädigt. Auch die Bestockung ließ viele Wünsche offen. Eine geringe Anzahl an ährentragenden Halmen, wenige Körner pro Ähre und das große Niederschlagsdefizit, insbesondere in der letzten Phase der Kornfüllung waren die entscheidenden Faktoren für das nicht ganz zufriedenstellende Gesamtergebnis. Bedingt durch einen frühen Kälteeinbruch im Herbst und geringer Bodenfeuchte im Frühjahr bildete das Wintergetreide eine geringe Anzahl an ährentragenden Halmen (schlechte Bestockung). Die abgelieferten Mengen zeichneten sich jedoch durch sehr gute Qualität aus. Vor allem Mahlweizen, Braugerste und Brotroggen konnten mit sehr guten Qualitätsparametern punkten.

Sojabohne
Österreich ist Sojaprofi. Wir bewirtschaften zwar nur knapp zwei Prozent der EU-Ackerfläche, sind aber der viertgrößte Sojaproduzent der Europäischen Union. Unsere Eiweißstrategie macht sich bezahlt: Wir erzeugen gentechnikfreies Soja für die menschliche Ernährung und als Futtermittel, haben uns in beiden Bereichen florierende Exportmärkte aufgebaut und sind mittlerweile bei Eiweiß kein Netto-Importeur mehr. Außerdem schützt jede Tonne Eiweiß, die im Inland erzeugt wird, den Regenwald vor Abholzung.

Ölkürbis
Die für Kärntner Verhältnisse kleine, aber feine Kultur konnte heuer zufriedenstellende Erträge erwirtschaften, welche regional über Kernöl und Knabberkerne vermarktet wird. Generell hat sich die Anbaufläche österreichweit nach dem Kürbisboom 2015/16 halbiert.

Grünland
Die Futtererntemengen waren 2017 gebietsweise sehr unterschiedlich. Ertragsverluste je nach Gebiet um die 15 bis 40 % mussten verzeichnet werden. Gesamt gesehen, können wir von einer Durchschnittsernte ausgehen.Von der Sommertrockenheit waren der dritte und der vierte Schnitt in den Gunstlagen betroffen, im Bergebiet der zweite Schnitt. Bei den Englischen Raygrasbeständen kam es zu extremen Ertragsverlusten durch die Kahlfröste. Kleereichere Futterbestände waren den Gräser Reinbeständen überlegen, da Klee mit weniger Niederschlag das Auslangen findet. Engerlingsschäden häufen sich.

Obst
Kärnten verfügt über wertvolle Obstlandschaften, die ein wesentlicher Bestandteil seiner Kulturlandschaft sind. 2017 war auch durch die Frostnächte Ende April geprägt. Dabei kam es zu Schäden unterschiedlicher Ausprägung im Bereich des Obstbaues. Das übrige Jahr hatte ausreichend Niederschläge. In verschiedenen Gebieten gab es auch noch Hagelschäden. Der Intensivobstbau gleicht dem anderer Obstbaugebiete in Form und Sortiment. Die rund 21 Erwerbsobstbauern sind über das ganze Bundesland verstreut, eine gemeinsame Vermarktung ist daher kaum möglich. Die Obstbauern erzeugen hochwertiges Obst, das selbstvermarktet wird. Das Jahr 2017 erbrachte eine um rund 30 bis 40 % geringere Erntemenge als in einem Durchschnittsjahr. Vor allem Steinobst wurde vom Frost Ende April geschädigt, wobei es regional je nach Lage des Obstgartens Unterschiede gab. Der Pro-Kopf-Verbrauch liegt bei 19,5 kg/Jahr.

Erntebilanz Österreich
Die Erträge bei Getreide sind in Österreich im Erntejahr 2017 gegenüber dem Erntejahr 2016 um rund 22 % niedriger ausgefallen. Die Getreideproduktion (ohne Mais) wird auf rund 2,8 Mio. Tonnen geschätzt und liegt somit rund 800.000 Tonnen unter dem vorjährigen Rekorderntejahr. Die prognostizierte Gesamtproduktion von 4,7 Mio. Tonnen (mit Mais) beeinflusst die österreichische Getreidebilanz negativ. Bei einem wachsenden Inlandsverbrauch steigert sich der Importnettobedarf von 300.000 Tonnen Getreide auf voraussichtlich 1,4 Mio. Tonnen, vorausgesetzt die Maisernte entspricht den derzeit ohnehin schon mäßigen Erwartungen.

Weltweite Situation
Die globale Getreideernte wird heuer nach den jüngsten Prognosen des Internationalen Getreiderates (IGC) um 4,1 % geringer ausfallen als im Rekordjahr 2016. Mit prognostizierten 2,038 Mrd. t gehört sie dennoch zu den höchsten Getreideernten der letzten Jahre. Ausschlaggebend für eine um 88 Mio. t reduzierte Produktion sind die aufgetretenen Dürre- und Trockenperioden in wichtigen Getreideanbauregionen (Nordamerika, Australien sowie Teile Europas). Diese Rückgänge betreffen sowohl den Weizen- als auch den Maismarkt. Vor allem bei Mais (-34 Mio. Tonnen), aber auch bei Weizen (-3 Mio. Tonnen) kann aufgrund der Produktionseinbußen der weltweite Bedarf nicht zur Gänze gedeckt werden. Die durch Dürre reduzierten Erntemengen beeinflussen den internationalen Handel in den Hauptexportländern. Bei Weizen werden die USA (-11,3 %) Exportanteile zugunsten von Russland (+9,7 %) sowie der EU-28 (+11,1 %) verlieren. Im weltweiten Maishandel wird Brasilien (+52,3 %) die geringeren US-Exportmargen (-13,6 %) ersetzen. Die Produktionsüberschüsse der letzten Jahre führten zu einem Aufbau der weltweiten Lagervorräte, welche im Vorjahr einen Höchststand von 523 Mio. Tonnen erreicht haben. Das im heurigen Jahr erwartete Bilanzdefizit in der Höhe von 45 Mio. Tonnen Getreide führt zu einer Reduktion des weltweiten Lagerbestandes um 8,6 %. Die globale Versorgungslage bleibt dennoch weiterhin gut (stock-use-ratio 22,9 %).