Spielen Sie gelegentlich gerne Roulette im Kasino oder wetten auf Ihre Lieblingsmannschaft? Dann sind Sie nicht alleine. Viele Menschen erfreuen sich am kleinen und großen Glücksspiel zwischendurch. Für rund 765 Personen im Bezirk Spittal ist ihre Wettleidenschaft jedoch zur Sucht geworden.

Spielsucht besteht, wenn Spieler unbedingt gewinnen müssen. Dabei steht der Geldgedanke nicht zwingend im Vordergrund“, sagt der Leiter der Spielsuchtambulanz des Krankenhauses de La Tour, Herr Univ.- Prof. Dr. Herwig Scholz. Psychische Probleme spielen eine wesentliche Rolle. „So haben Spieler ein Selbstwertproblem“, erklärt Scholz. Diesen Mangel versuchen sie durch den angestrebten Gewinn auszugleichen. Tritt der Gewinn ein, „betrachten sie diesen als besondere Aufwertung ihrer Person“. Tritt der Gewinn nicht ein, fühlen sie sich klein und wertlos. Diese negativen Gefühle wollen die Betroffenen möglichst schnell loswerden. Sie spielen erneut, trotz mitunter hoher Verluste. Charakteristisch ist auch, dass sich Süchtige Geschichten ausdenken, um sich Geld von Freunden und Familie zu leihen, oder auch stehlen, welches sie zum Spielen einsetzen. „Anständige Menschen greifen plötzlich in die Kasse“, erzählt Scholz. Ein Teufelskreis! Der Einstieg folgt meist im Jugendalter. Am häufigsten betroffen sind Personen im Alter zwischen 14 und 65 Jahren, wobei 14- bis 25-Jährige den größten Anteil der Suchtkranken ausmachen. Besonders „beliebt“ sind Automatenspiele, gefolgt von Lotto und Sportwetten.

Säulen der Sucht
Spielsucht entwickelt sich oft versteckt. Die Betroffenen nehmen dieses Problem häufig erst nach Jahren als solches wahr. Die Ursachen sind vielschichtig und als Zusammenhang von Persönlichkeit, sozialem Umfeld sowie den Merkmalen und der Verfügbarkeit des Glücksspiels zu sehen. Grob lässt sie sich in drei Phasen einteilen: Zu Beginn steht oft die Gewinnphase, in der die Spieler einige Gewinneerzielen. Diese Erfolgserlebnisse bewerten sie als ihre gute persönliche Leistung und sehen sie als Rechtfertigung, die Einsätze ständig zu vergrößern, um damit mehr zu gewinnen. Die Risikobereitschaft steigt. Die zweite Phase ist die Verlustphase, in der das Spielen intensiver wird. Die Verluste nehmen zu. Die Gedanken kreisen nur noch ums Spielen. Viele Betroffene verheimlichen ihr Spielverhalten und beginnen nun unter Lügen, größere Geldbeträge zu leihen. Das Spielen bekommt zunehmend negative Auswirkungen auf Familie, Berufsleben und soziale Kontakte. In der dritten Phase, der Verzweiflungsphase, erleiden die Betroffenen zunehmenden Kontrollverlust und enorme finanzielle Schwierigkeiten. Die Menschen sind getrieben von der falschen Überzeugung, verlorenes Geld zurückzugewinnen. Das Spielen hat eine Eigendynamik entwickelt. Viele Spieler wollen aufhören, schaffen es aber nicht und verzweifeln am zwanghaften Drang zu spielen. Es folgen „noch mehr Schulden und der endgültige Bruch mit der Familie“, erklärt Scholz. „Häufig kommt auch die Kombination zwischen Alkoholismus und Spielsucht vor.“

Wege aus der Sucht
Glücklicherweise lässt sich die Sucht relativ gut psychotherapeutisch behandeln. „Betroffene müssen nach der Behandlung zwei Jahre lang regelmäßig zur Nachbehandlung kommen, dann schaffen es über 60 Prozent der Spieler „clean“ zu bleiben“. Denn wie bei anderen Süchten auch, gilt: einmal Spieler, immer Spieler.

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