Stillen spielt für die Gesundheit von Mutter und Baby eine wichtige Rolle, ist aber nicht immer einfach. Angelika Hecher ist diplomierte Hebamme in Hermagor und klärt auf

Zuallererst stellt Angelika Hecher einen Vergleich auf: „Stellen Sie sich vor, es würde eine neue Impfung für Babys entwickelt werden, die nachweislich vor Erkrankungen wie Durchfall und respiratorischen Infekten schützt, die das Auftreten von Asthma und Allergien reduziert, die Hälfte aller „plötzlichen Kindstod“-Fälle verhindert und sich darüber hinaus als höchst wirksam gegen späteres Übergewicht erweist und außerdem als langfristige Suchtprävention gilt.“ Außerdem senkt sich bei stillenden Müttern das Brust- und Eierstockkrebsrisiko und die Gebärmutter bildet sich nach der Geburt schneller zurück. Darüber hinaus wird der Aufbau der Mutter-Kind-Bindung hormonell unterstützt.

Vormilch/Kolostrum
Stillen ist laut WHO die effektivste und preiswerteste Gesundheitsvorsorge. „Muttermilch ist die ideale Ernährung für jedes Kind. Sie beinhaltet alle Inhaltsstoffe für eine gesunde Ernährung,“ so Hecher. „Das Kolostrum, also die Vormilch, zählt zu den ersten natürlichen Impfungen eines Kindes – 4000 lebende Zellen pro Tropfen. Frauen, die nicht stillen wollen, sollten zumindest zum Kolostrumstillen ermutigt werden. Es kann nach einem Jahr noch im Darm nachgewiesen werden, da es die Darmschleimhaut wie eine Tapete auskleidet. Danach kann man problemlos natürlich abstillen.“

Entwicklung
Stillen fördert laut Hecher nachhaltig die körperliche Gesundheit wie auch seelische und soziale Entwicklung des Kindes. „Mit Muttermilch wird der Darm des Babys optimal auf alle weiteren Einflüsse des Lebens vorbereitet. Die Darmgesundheit wirkt sich auf den ganzen Körper nachhaltig aus. Beim Trinken an der Brust werden alle Sinne beansprucht und die Entwicklung des Kindes optimal gefördert,“ erklärt sie. Außerdem habe das Saugen an der Brust einen großen Einfluss auf die Kiefer- und Zahngesundheit und damit auf die Sprachentwicklung.

Guter Stillstart
Mütter können zu Beginn verunsichert sein, wenn es mit dem Stillen nicht sofort klappt. Doch wie gelingt der Stillstart? „Stark beeinflusst wird dieser durch eine gesunde Lebensweise, einen natürlichen Geburtsverlauf, ausreichendes Bonding und das erfolgreiche erste Anlegen unmittelbar nach der Geburt. Der Faktor Zeit für ausreichende Hilfestellung und Information seitens des Fachpersonals spielt dabei eine große Rolle – denn Stillhilfe ist anspruchsvoll. Wichtig: Die Unterstützung zu Hause, Mothering the Mother“ ist hier die devise,“ sagt Hecher.

Frauen motivieren
„Wenn man so wie ich als international geprüfte Stillberaterin so viel über die Vorteile des Stillens gelernt hat, ist man natürlich dazu geneigt, Frauen zum Stillen zu motivieren. Ziel einer guten Hebammenarbeit sollte immer sein, Frauen gut informiert frei entscheiden zu lassen und sie dann bestmöglich dabei zu unterstützen,“ sagt Angelika Hecher. Vor allem nach schlechten Erfahrungen erfordere dies manchmal ein wenig Ermutigung. „Die Situationen der Frauen sind so verschieden, doch eine Mutter, die nicht stillt, ist deswegen keine schlechtere Mama. Letztendlich soll sich jede Frau in ihrer Mutterrolle bestärkt fühlen, das ist, was zählt,“ schließt die Hebamme ab.

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