Schaulustige, die Rettungseinsätze behindern oder gar Handyfotos bzw. Videos von Unfallopfern machen, müssen künftig mit Geldstrafen bis zu 500 Euro rechnen. Auch Haftstrafen sind möglich. Die Blaulichtorganisationen im Bezirk begrüßen das harte Durchgreifen.

Bei Unfällen sind oft Gaffer nicht weit. Leider ist es traurige Realität, dass dieses Phänomen immer häufiger die Schlagzeilen beherrscht. Mit einer im Sommer beschlossenen Gesetzesnovelle steuert der Nationalrat dagegen.

Keine Pietät
Dementsprechend droht Schaulustigen, die sich einer Wegweisung widersetzen, eine bis zu 500 Euro hohe Geldstrafe. Bei besonders erschwerenden Umständen droht sogar eine Haftstrafe von ein bis zu zwei Wochen. Stellvertretender Bezirkskommandant Mayor Micheler Hannes begrüßt die neue Novelle: „Bisher hatte die Polizei nur die Möglichkeit, unter bestimmten Voraussetzungen Unbeteiligte von Ereignisorten wegzuweisen bzw. an ihre Moral zu appellieren. Durch die Novellierung des Sicherheitspolizeigesetzes dürfen wir jetzt eine Verwaltungsstrafe bis zu 500 Euro verhängen. Außerdem können wir besonders hartnäckige Schaulustige, die die Einsatzkräfte behindern oder auch die Privatsphäre von Beteiligten empfindlich stören, an Ort und Stelle festnehmen“. Zwar gab es laut Hannes Micheler im Spittaler Bezirk bisher keine Geschehnisse mit Gaffern, welche die Einsatzkräfte massiv behinderten, doch das Problem von Schaulustigen, die Fotos oder Videos machen, ist sehr wohl bekannt.

Strafen notwendig
Das Durchgreifen gegen Hobbypaparazzi und Gaffer wird auch von Seiten der Feuerwehren begrüßt. „Zuschauen, Fotografieren und Handyfilmen ist heute bei Unfällen und Feuerwehreinsätzen schon normal. Es geht dabei um die Sensationslust der heutigen Handygeneration“, sagt Bezirksfeuerwehrkommandant Kurt Schober. Der Spaß hört für ihn dabei aber sehr schnell auf, wenn die Privatsphäre der Opfer ignoriert und die Einsatzkräfte in ihrer Arbeit behindert werden. „Es ist beispielsweise ein pietätloser Fall bekannt, bei dem die Decke eines zugedeckten Unfallopfers von einem Gaffer entfernt wurde, um ein Foto zu schießen. Außerdem gab es am Nassfeld einen Fall, bei dem ein Reanimationsversuch minutenlang mitgefilmt und online gestellt wurde. Bei solchen Fällen begrüßen wir die Bestrafung durch die Polizei“, schildert BFK Schober aus der Praxis. Auch dem Kommandanten der Stützpunkt 1-Feuerwehr Spittal/Drau, Johannes Trojer, ist das Thema bekannt: „Um Unfallopfer und die Arbeit der Feuerwehr vor ungebetenen Blicken und Filmern zu schützen, hat auch die Freiwillige Feuerwehr Spittal mit Hilfe von Spenden der Bevölkerung einen Sichtschutzvorhang angekauft. „Durch diese Strafen reagiert man auf die schnelllebige Zeit und erreicht vielleicht ein Umdenken. Nämlich, dass ein solches Verhalten falsch und unrecht ist. Übrigens, wer Fotos oder Filme von Unfällen oder Einsätzen ohne Zustimmung ins Internet stellt, macht sich auch ohne Gesetzesnovelle schon strafbar“, weiß Bezirksrettungskommandant
Christian Pichler.

© M. Neuwirth