Eine Gesetzesnovelle sieht die Bestrafung von Gaffern an Einsatzstellen vor. Auch die Blaulichtorganisationen im Lavanttal sehen sich immer wieder mit dem Gafferproblem konfrontiert.

Sie stehen an Unfallstellen, filmen, fotografieren und behindern im schlimmsten Fall die Arbeit der Retter: Das Phänomen der Gaffer beherrscht immer wieder die Schlagzeilen. Der Nationalrat steuerte mit einer Gesetzesnovelle dagegen: Schaulustigen, die sich einer Wegweisung durch die Polizei widersetzen, drohen bis zu 500 Euro Geldstrafe, bei besonders schweren Umständen sogar ein bis zwei Wochen Haft. Auch im Lavanttal hat man mit dem Gaffer-Phänomen zu kämpfen. „Die Zunahme der Gaffer ist spürbar, vor allem bei Verkehrsunfällen“, berichtet Wolfgang Kobold, Kommandant der FF St. Andrä. „Vermutlich hat das mit der weiten Verbreitung von Smartphones zu tun.“ Schaulustige stören nicht nur die Einsätze, sie bringen sich auch selbst in Gefahr: „Es war bei uns schon einmal der Fall, dass Gaffer bei einem Einsatz einen zusätzlichen Auffahrunfall verursacht haben“, so Kobold. Bei der Feuerwehr behilft man sich mit Decken und Leintüchern, mit denen der Einsatzort vor Passanten abgeschirmt wird. Bezirksfeuerwehrkdt. Wolfgang Weißhaupt: „Es gibt zwar spezielle Sichtschutzwände, im Lavanttal kamen diese bisher noch nicht zum Einsatz.“ Sowohl Weißhaupt als auch Kobold begrüßen die neue Gesetzesnovelle. „Dass hartnäckige Gaffer abgestraft werden, ist zielführend. Einerseits geht es um den Schutz der Privatsphäre von Unfallopfern, andererseits um den reibungslosen Ablauf von Einsätzen.“

Katastrophentourismus
Schon vor der Gesetzesnovelle hatte die Exekutive auf Grundlage des Sicherheitspolizeigesetzes die Möglichkeit, aufdringliche Schaulustige wegzuweisen – notfalls auch mit maßhaltender Gewalt, sprich abdrängen oder wegtragen. „Bisher fehlte allerdings die Strafbestimmung“, sagt Bezirkspolizeikommandant-Stv. Johann Schranzer. Dennoch sei man mit der bisherigen Regelung ausgekommen: „Es gibt zwar immer wieder Beeinträchtigungen, Zwangsmaßnahmen waren aber noch keine notwendig. Wenn man mit den Leuten vernünftig spricht, sehen die meisten ein, dass sie sich fernhalten sollten.“ Trotzdem spart Schranzer nicht mit Kritik an Gaffern: „Die Schaulust nimmt manchmal solche Formen an, dass sich ein regelrechter Katastrophentourismus entwickelt. Manche Leute setzen sich ins sogar ins Auto und nehmen Anfahrten in Kauf, um zum Beispiel Brände oder Verkehrsunfälle aus nächster Nähe zu sehen. Da fragt man sich schon: Wie ticken diese Leute?“

Hält sich in Grenzen
Auch Hermann Angerer, Rettungsdienstreferent in Wolfsberg, steht dem neuen Gesetz positiv gegenüber: „Die Frage ist aber, ob es exekutiert werden kann. Wie will man bei einer Traube von 20 oder 30 Menschen alle abstrafen?“ Im Lavanttal hält sich das Gafferproblem laut Angerer aber noch in Grenzen: „Das heißt aber nicht, dass es nicht vorkommt. Einen extremen Fall erlebte ich bei einer Reanimation am Trattl, wo sich etwa 20 Schaulustige auch von der Polizei nicht vertreiben ließen.“ Zu Behinderungen von Einsätzen durch Gaffer sei es aber während seiner zehn Jahre im Rettungsdienst bisher nicht gekommen: „Es gibt auch Fälle, bei denen wir Umstehende bitten, uns zu unterstützen, beispielsweise durch das Halten einer Infusionsflasche.“ Bedeutend schlimmer als das Zusehen bei Einsätzen sei die Untätigkeit im Notfall – bevor die Rettung da ist: „Es kommt vor, dass wir am Notfallort ankommen und keiner der Anwesenden etwas unternommen hat, um dem Betroffenen zu helfen – oft aus Unsicherheit, etwas falsch zu machen. Immer wieder erleben wir aber den umgekehrten Fall, wo Passanten vorbildlich Erste Hilfe leisten.“ Angerers Botschaft: „Man kann bei Erster Hilfe nichts falsch machen. Falsch ist nur, gar nichts zu machen.“

Hartnäckigen Gaffern drohen empfindliche Geld- und sogar Haftstrafen

Wolfgang Kobold, Kommandant der FF St. Andrä

Bezirkspolizeikommandant-Stv. Johann Schranzer

Hermann Angerer, Rettungsdienstreferent in Wolfsberg

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