Für ein geplantes Rotlicht-Großprojekt in Villach-Perau greifen Investoren tief in die Tasche. Die Geschäftsführung im Interview: „Werden Unternehmen seriös führen.“ Seelsorgerin und Stadt äußern sich kritisch.

„Wir freuen uns, dass unser neues Projekt endlich spruchreif ist. Eröffnen wollen wir im Sommer 2018. Wir werden sechs Millionen investieren und uns mit einem neuen Konzept vom Markt abheben“, so die Geschäftsführung im Gespräch. Realisiert werden soll das Projekt namens „La Vita“ auf der freien Fläche nördlich der Zgonc-Filiale, die schon öfter mit Bauvorhaben aus dem „horizontalen Gewerbe“ in Verbindung gebracht wurde. Der Spatenstich soll noch vor Jahreswechsel erfolgen. Die Investoren stammen aus dem europäischen Ausland. Als Unternehmer vor Ort wird mit Geschäftsführer Michael E. ein erfahrener Mann fungieren. Der ehemalige Disco-Betreiber (Fun, Fun-Factory) gilt als Planer und Entwickler des „Andiamo“, das nur unweit entfernt vom nun geplanten Standort liegt.

„Guter Steuerzahler“
Den Begriff „Rotlicht“ hört man seitens der Verantwortlichen nicht gerne. „Wir arbeiten seriös, werden ein guter Steuerzahler sein.“ Eng soll mit dem Landeskriminalamt zusammengearbeitet werden. „Die Kooperation mit dem LKA funktionierte bereits in der Vergangenheit. Wir konnten einige Damen aus der Zwangsprostitution befreien.“ Klar sei allerdings: „Das was offensichtlich ist, decken wir auf. Bei gewissen Dingen ist es jedoch schwer hinter den Vorhang zu blicken.“

30 Jobs
Laut „La Vita“-Geschäftsführung ist die Widmung am betreffenden Grundstück auf 140 Sexarbeiterinnen ausgelegt. Mit der Stadt sieht man „ein gutes Einvernehmen. Wir errichten den Club außerhalb der Schutzzone und erfüllen die Auflagen.“ Der Grund umfasst eine Fläche von 8.000 Quadratmetern, bebaut werden 3.000 Quadratmeter. Drei Stockwerke sind konzipiert. Rund 30 Jobs, von Barpersonal über Reinigungskräfte bis hin zur Security, sollen geschaffen werden.

„Schutzzone“
Die Regelung der „Rotlicht-Schutzzone“ sieht vor, in unmittelbarer Umgebung von Schulen und privaten Wohnsiedlungen, keine einschlägigen Betriebe mehr zu bewilligen. Als Schutzzone definiert ist etwa die Villacher Innenstadt. Die Bewilligung für Rotlichtbetriebe, die sich aktuell noch in dieser Zone befinden, werden nicht mehr verlängert. Bedeutet: In den kommenden Jahren verschwindet das Rotlichtgewerbe aus der City. Definierte Standorte für Erotikbetriebe gibt es im Industrieviertel Perau. Hier soll nun der neue Club entstehen.

Nicht glücklich
Problematisch sieht Schwester Silke Mallmann vom Kloster Wernberg die Entwicklung in der Villacher Rotlichtszene. Mallmann gilt als profunde Seelsorgerin für Sexarbeiterinnen. Sie sagt: „Oft wird erst nach Jahren klar, ob es sich um Zwangsprostitution handelt oder nicht.“ Weiters würden Bordelle aus dem Villacher Raum bis nach Mailand beworben werden. „Man muss sich fragen, ob Villach als Bordell-Mekka gelten will“, so Mallmann. Bürgermeister Günther Albel: „Wir als Stadt Villach haben durch unser Engagement überhaupt erst erreicht, dass es eine Verbotszone für derartige Rotlichtbetriebe gibt. Im Grunde genommen müsste man diese Zone noch deutlich ausweiten. Für mich ist auch dieser Platz kein geeigneter Ort dafür.“

©zVg/LaVita/KK