Rund 800.000 Euro investierte das Himmelberger Zeughammerwerk in die Errichtung einer modernen Fischaufstiegsschnecke samt Wasserkraftschnecke.

Seit rund 200 Jahren liefert am heutigen Standort des Himmelberger Zeughammerwerks ein Kraftwerk Energie für die dort ansässigen Betriebe. „Damals stand hier neben einer Schmiede noch ein Sägewerk. Es gab keinen Strom aus der Steckdose. Betriebe mussten selbst dafür sorgen“, sagt Geschäftsführer Wolfgang Müller. 1918 eröffneten das Himmelberger Zeughammerwerk den Betrieb an diesem Standort. Das Kraftwerk wurde in den 1930er-Jahren gekauft. 1946 wurde dem Unternehmen das uneingeschränkte Nutzungsrecht für das Wasser der Lavant zugesprochen – doch dies änderte sich vor etwa sechs Jahren mit einer EU-Richtlinie, die Betriebe dazu verpflichtet, Fischaufstiegshilfen zu bauen und eine bestimmte Restwassermenge im Mutterbett des Flusses zu belassen. Für das betriebseigene Kraftwerk des Hammerwerks hätte das rund ein Drittel weniger Energieausbeute bedeutet.

Kapazitätensteigerung
Der Bau eines Laufkraftwerks im Flussbett der Lavant musste nach jahrelangen Vorbereitungen und Plänen aufgrund der Bedenken eines Anrainers verworfen werden. „Das hat uns rund 170.000 Euro gekostet“, blickt Müller zurück. Auf der Suche nach Alternativen stieß er auf einen Apparat, der eine Fischaufstiegshilfe mit einer Wasserkraftschnecke kombiniert. Die Vorteile: Einerseits wird der Fluss für die Fische durchgängig gemacht, andererseits geht das Restwasser, das in der Lavant verbleibt, nicht „verloren“, sondern kann wiederum für die Energiegewinnung genutzt werden. Im Falle des Hammerwerks Müller entschied man sich für den Bau einer Fischaufstiegsschnecke des Typs Rehart/Strasser mit einer separaten Wasserkraftschnecke, die eine Leistung von 26 kW bringt. „Damit können 1,2 m3 Wasser pro Sekunde in Energie umgewandelt werden. Unsere beiden Turbinen schaffen zudem 2,8 m3 pro Sekunde“, so Müller. „Im Wesentlichen ist das eine potentielle Steigerung der Anlagenkapazität.“

Funktionsweise
Wie die Schnecke funktioniert? Der Fisch schwimmt in das rohrartige Gebilde ein und wird innerhalb einer Wasserblase durch Schraubenbewegungen ganz ohne Kraftanstrengung stromauf über das Hindernis hinweg transportiert. Dabei wird die Dimensionierung der Anlage auf den jeweiligen Leitfisch angepasst. Im Falle der Lavant ist das der Huchen – obwohl kein Huchenbestand festgestellt werden konnte. „Das hat das Projekt nochmal um etwa 250.000 Euro teurer gemacht“, so Müller.

Bau und Monitoring
Geplant wurde das Bauprojekt von der Firma Geos Consulting mit Sitz in Klagenfurt. Der Baustart erfolgte im Juni 2017 durch die in Niederösterreich beheimatete Firma Strasser & Gruber Wasserkraft. Schon im Oktober 2017 ging die Anlage in Betrieb. Um Anspruch auf Landes- und Bundesförderungen erheben zu können, musste die Funktionsfähigkeit der Aufstiegshilfe nachgewiesen werden. Damit beauftragt wurde die LKW Ziviltechniker GmbH mit Sitz in Villach. In einer elektrischen Probebefischung unterhalb der Anlage konnte sich das Team einen Überblick über den Fischbestand machen. „Wir fingen 78 Bachforellen, eine Regenbogenforelle, drei Bachsaiblinge und sieben Koppen“, sagt Josef Knappinger von der LKW Ziviltechniker GmbH. Danach folgte jeweils eine zweiwöchige Monitoringphase im Herbst und im Frühjahr, um die Funktionstüchtigkeit der Schnecke zu testen. Das Ergebnis: 42 Fische haben ihren neuen „Lift“ benutzt, sowohl Forellen und Saiblinge als auch Koppen. „Wir haben es mit einer voll funktionsfähigen Aufstiegshilfe zu tun“, so Knappinger. Ein ähnliches Projekt wird noch heuer im Zuge der Sanierung des Gailkraftwerkes Schütt realisiert.

Die Fischaufstiegsschnecke (links) und daneben die Restwasserschnecke

Unterhalb der Wehranlage konnte ein Fischbestand von ca. 175 kg pro Hektar festgestellt werden, der zum Großteil aus Bachforellen besteht

Der „Leitfisch“ Huchen konnte in der Lavant nicht festgestellt werden

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