Öffentlicher „Foodsharing“-Kühlschrank in Stockenboi mit Kuhmist beschmiert. Betreiber Anton Bauer gibt nicht auf und plant eine weitere Station in Villach

Seit rund fünf Jahren rettet er Lebensmittel vor dem Wegwerfen – und gibt sie kostenlos weiter: Anton Georg Bauer vom Verein Foodsharing. „Bisher haben wir 170.000 kg Lebensmittel gerettet. Die Waren erhalten wir von Firmen, sie würden sonst im Müll landen“, erzählt Bauer. Aktuell gibt es u.a. eine Ausgabestation in Scharnitzen 10 (Gemeinde Stockenboi). Aber: Konflikte erschweren die Arbeit. Laut Bauer erfährt der Verein keine Unterstützung seitens der Gemeinde: „Die Gemeinde ist strikt gegen unsere Arbeit. Etwa weil wir nicht prüfen, ob das jetzt bedürftige Leute sind, welche die Lebensmittel holen. Aber darum geht es uns nicht. Wir arbeiten gegen die Ressourcenverschwendung, deswegen kann jeder kommen.“ Ein Problem ist etwa die Parksituation während der Abholzeiten der Lebensmittel. Geparkt werden kann nur auf der Landesstraße. Um eine Spur während der Ausgabezeit (Mi, 17:30 bis 19 Uhr, Sa 16 bis 19 Uhr) zu sperren, muss man einen Antrag stellen, dafür benötige man Unterschriften von Anrainern. „Die bekomme ich aber nicht. Einmal ist ein Auto im Futtergras gestanden und es kam zu einem Konflikt mit dem Bauern. Das ist natürlich nicht in Ordnung, aber dafür kann ich nichts.“

Kuhmist. Überrascht über den Vorwurf, die Gemeinde tue nichts, zeigt sich Bürgermeister Hans Jörg Kerschbaumer: „Wir sind nicht gegen die Arbeit von Herrn Bauer, er muss nur einen Termin mit uns vereinbaren, da muss es ein Gespräch geben. Es ist ja keine schlechte Aktion. Es landet viel zu viel im Müll, es ist eine gute Sache, das zu verteilen.“ Eine weitere Sache erschwert Bauers Arbeit. „Einige Landwirte in der Gegend haben uns klar gezeigt, dass sie etwas gegen unsere Arbeit haben. Der Vorwurf: Wir füttern Sozialfälle. Was aber nur bedingt stimmt, es kommen auch viele Leute, die gegen die Verschwendung sind.“ So gab es bereits heikle Vorfälle. Etwa mit Kuhmist beschmierte, öffentlich zugängliche Kühlschränke des Vereins „Foodsharing“. Bauer: „Insgesamt gab es fünf Attacken, die letzte vor einem Monat. Es hat sich aber nie jemand dazu geäußert.“ Dazu Kerschbaumer: „Die Probleme sind nicht bis zu mir vorgedrungen.“

Neue Pläne. Beirren lässt sich Bauer in seiner Arbeit nicht. Die Station in Scharnitzen soll bleiben, trotzdem werden aber neue Räumlichkeiten mit besseren Parkmöglichkeiten und größeren Lagerräumen gesucht, Richtung Paternion oder Feistritz. Auch im Umland sind weitere Aktionen geplant. „Wir versuchen, Foodsharing in Villach zu etablieren, dafür suchen wir dringend einen Ort für eine Ausgabestelle. Außerdem gibt es Gespräche für einen begehbaren Bio-Garten, Anfang April wollen wir jeden Samstag in Graschelitzen einen Streetfood-Ausgabeplatz mit Grill eröffnen. Auch in Dellach im Drautal kommt eine Ausgabestelle, hier gepaart mit einer Change Box mit Haushaltswaren, welche wir vor dem Müll retten. Und wir machen in Schulklassen weiterin Unterricht zum Thema Ressourcenverschwendung.“