Seit dem Schuljahr 2018 herrscht an der SeF Villach Aufnahmestopp. Eltern bangen um Schule, Direktorin Orsola Caldera ist für Inklusion – aber mit Vorbehalt.

„Mit dem Beginn der Integration sind bei uns die Schülerzahlen gesunken. Früher kamen auch Kinder mit nur kleinen Behinderungen in die Sonderschule. Wenn es irgendwie geht, ist für mich Integration selbstverständlich“, sagt Orsola Caldera, Direktorin der SeF Villach, der Sonderschule für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf. „Aktuell haben wir 20 Kinder, wir dürfen seit diesem Schuljahr keine Schüler mehr aufnehmen und Eltern können diese Form von Unterricht nicht mehr wählen“, sagt Caldera. Denn: Kärnten ist (mit der Steiermark und Tirol) eine Inklusion-Modellregion, langfristige Pläne für die Zukunft der SeF zu machen ist schwer. Jene Kinder, die mit dem aktuellen Schuljahr nicht mehr in die SeF aufgenommen wurden, werden in „Kleinklassen“ in der VS 2 inklusiv beschult. „Für geistig beeinträchtigte Kinder braucht es viel – einige müssen gewickelt oder gefüttert werden. Wir haben Kinder, die zeitweise im Wachkoma sind. Trotzdem kann man mit ihnen arbeiten. Integration ist toll, aber im Endeffekt gibt es nicht so viele gemeinsame Lernziele.“

Lehrer. An der SeF Villach gibt es pro Klasse zwei Lehrerinnen. „Als Institution Sonderschule sind wir ganz anders vorbereitet, diese wurde dazu geschaffen, nur auf die Bedürfnisse dieser besonderen Kinder einzugehen. Wir bieten auch viele Aktivitäten oder Ausflüge an“, sagt Caldera. Was an der SeF sehr gut klappe sei der Austausch mit der Polytechnischen Schule, welche sich seit Februar 2018 ebenfalls im Haus befindet, beide Seiten würden davon profitieren. Eine inklusive Beschulung von schwerstbehinderten Kindern sei für Caldera nicht immer sinnvoll: „Die Schüler müssen auf Grund ihrer Bedürfnisse getrennt in eigenen Gruppen oder Klassen unterrichtet werden, weil der gemeinsame Unterricht nicht möglich ist. Wir Menschen sind alle verschieden und für jeden von uns sollte es die Möglichkeit geben sich in geeigneten Institutionen gut zu entfalten. Ich befürchte auch, dass die Inklusion langfristig sehr, sehr viel Geld kosten wird, wenn man wirklich jedem Schüler gerecht werden soll.“ Der Schultyp „Sonderschule“ erfahre zudem in der Gesellschaft nicht viel Anerkennung. Caldera: „Schon der Name klingt negativ. Integration ist gut, und es soll jedes Kind integriert werden wo die Möglichkeit besteht.“

Familie. Unterdessen kämpfen die Eltern für die Schule, haben Angst vor einer Schließung. Wie Heike Gabriel aus Villach. Ihre Tochter Pia besucht die zweite Klasse. „Ich habe Pia lieber in der SeF, hier tut man mehr für die Kinder, es ist wie eine Familie.“ Was die Zukunft der SeF betrifft, heißt es seitens der Stadt: „Die Stadt Villach ist Schulerhalter und erfüllt die ihr per Gesetz übertragenen Aufgaben. Was die Zukunft der beiden Sonderschulen anbelangt, liegt die Zuständigkeit beim Bund bzw. beim Land Kärnten“. 2020 kommt es zu einer Evaluierung – und damit zu einer Entscheidung.

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