Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist! Nach 22 Jahren und 45 Märkten heißt es beim diesjährigen Kolomimarkt von 12. bis 15. Oktober zum letzten Mal: Auf ein Backhendl beim Frasswirt.

Ein bisschen Wehmut klingt schon mit, wenn Johann Martinz über die alten Marktzeiten spricht: „Wir kamen 1996 durch Zufall zu unserem Zelt am Marktgelände. Unser alter Getränkelieferant Hans Trippolt berichtete uns, dass der ARBÖ St. Jakob, der das Zelt damals betrieb, ans Aufhören dachte. Wir haben es einfach probiert und das Zelt in Bausch und Bogen gekauft“, sagt der heute 86-jährige. Dementsprechend chaotisch verlief der Start: „Beim ersten Mal haben wir mit hundert Hendln und 50 Grillwürsten kalkuliert. Außerdem hatten wir nur eine Fritteuse. Bereits am Sonntag waren wir komplett ausverkauft.“ Immer konnten Johann und seine Frau Grete auf die Mithilfe der Familie zählen: Die beiden Söhne Heinz und Gerald mit ihren Ehefrauen Silvia und Manuela ließen keinen Markt aus. Später halfen dann auch die Enkel der beiden Seniorchefs Lisa und Christian. „Ohne diesen Zusammenhalt hätte das nie funktioniert“, zeigen sich Grete und Johann dankbar.

Systemumstellung
Heute ist das Frasswirt-Zelt vom Schönsonntag- bzw. Kolomonimarkt nicht wegzudenken. Vom Arbeiter bis zum Politiker – hier ist so gut wie jeder Marktbesucher einmal eingekehrt. Nicht zuletzt aufgrund der weithin bekannten Backhendl, an deren „Entwicklung“ Grete Martinz maßgeblich beteiligt war. Sie heiratete Johann Martinz 1961 und wandelte das im 18. Jahrhundert gegründete Gasthaus in die Backhendlstation um, als die es heute bekannt ist. „Früher machte man Zwei-Kilo-Hendl mit Schweinefett in geschlossenen Reinen am Holzherd. Nach und nach stellte ich dieses System bis zum heutigen Standard mit kleinen Einzelstücken und Fritteusen um.“ Insgesamt sind am Marktgeschehen beim Frasswirt heute rund 20 Personen beteiligt. Drei davon sind mit dem Panieren der Hühnerstücke im Gasthaus in Kamp beschäftigt. Danach werden sie zum Markt geliefert, wo sie in einem Kühlwagen kurzzeitig zwischendeponiert und erst bei Bedarf frisch herausgebacken werden.

Alle Hände voll zu tun
In 22 Jahren Markt erlebt man natürlich so einiges. „Früher war am Markt viel mehr los als heute“, sagt Heinz Martinz. „Wollte man bei Hochbetrieb einmal auf die Toilette, musste man etwa 20 Minuten einrechnen. Einmal herrschte im Zelt so viel Andrang, dass die Kellnerinnen nicht mehr durch die Menschenmengen kamen und sogar mit Streik drohten. Ich war hinter der Theke und verkaufte den Sturm nur noch in ganzen Flaschen, um Zeit zu sparen. Es war unvorstellbar.“ Bei all dem Trubel blieb aber das Zwischenmenschliche nie auf der Strecke. Ein Lied davon kann Gerald Martinz singen. Er lernte seine heutige Frau Manuela sogar im Frasswirt-Zelt kennen. Neben dem eigentlichen Betrieb sind schon die Vorbereitungen auf den Markt von immensem Ausmaß: „Wir fangen schon zehn Tage vor dem Markt mit dem Aufbauen an. Mein größter Respekt gilt meinem Vater. Trotz seiner 86 Jahre packt er bei jeder Arbeit mit an“, sagt Heinz Martinz.

Nachfolge kommt
Wie es am Markt ohne Frasswirt weitergehen soll, steht bereits fest: „Es gibt einen Nachfolger, der unser ganzes Konzept unter neuem Namen übernehmen will“, sagt Heinz Martinz. Wer das ist, wird allerdings noch nicht verraten. Der Betrieb im Gasthaus in Kamp geht wie gewohnt weiter. Doch so ganz muss auch der Markt nicht auf die Familie Martinz verzichten: „Wir werden sicher das eine oder andere Mal in unserem alten Zelt anzutreffen sein – dann allerdings als Gäste“, lacht Johann Martinz.

Johann und Grete Martinz sind seit 1961 verheiratet

Ohne Teamwork läuft am Markt nichts

Johann Martinz: Mit 86 Jahren noch voll dabei

Die Geschichte des GH Frasswirt geht zurück bis ins 19. Jahrhundert

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