Obwohl Dachdecker am Arbeitsmarkt gefragt sind, sind Lehrlinge rar.
Viele Betriebe nehmen Lehrlinge mit offenen Armen auf. 

Die Dachdeckerbetriebe in Kärnten suchen händeringend nach Lehrlingen. Marija Hedenik von der Firma Hedenik, einem Betrieb aus Feistritz im Rosental, der seit mehr als 30 Jahren besteht, kann das nur bestätigen. Eigentlich ist es das Ziel des Betriebes, jedes Jahr einen Lehrling auszubilden. „Wir haben seit drei Jahren keinen neuen Lehrling. Heute hätte ein Bewerber kommen sollen. Er hat uns nicht einmal abgesagt“, sagt Hedenik. Dabei ist es ein Widerspruch: Ausgebildete Dachdecker sind am Arbeitsmarkt mehr als nur gefragte Fachkräfte. „Leider wollen immer noch viele Burschen Mechaniker werden. Dachdecker ist da nicht immer die erste Wahl“, sagt Hedenik.

Vom Flüchtling zum Lehrling
Die Rosentaler Dachdeckerfirma hat seit zwei Jahren einen nicht ganz gewöhnlichen Lehrling. Ihr Lehrling im zweiten Lehrjahr stammt ursprünglich aus Afghanistan. Feroz Noori ist vor vier Jahren als unbegleiteter Flüchtling aus Afghanistan zuerst nach Wien und dann nach Kärnten gekommen. Noori konnte bei seiner Ankunft kein Wort Deutsch. Heute spricht der Afghane, der seit drei Jahren einen positiven Asylbescheid hat, fließend Deutsch. „Nach meiner Ankunft in Ferlach bin ich drei Jahre in die NMS gegangen und danach habe ich die Polytechnische Schule besucht“, sagt Noori. Mit dem Schulabschluss ging es zum AMS. „Dort habe ich mit meinem Betreuer aber nichts gefunden und so habe ich selbst gesucht und bin per Zufall auf die Lehrstelle von Hedenik gestoßen. Ich weiß, dass ich handwerklich geschickt bin. So erschien mir die Dachdecker-Lehre als richtige Wahl“, sagt Noori. Imponiert hat Marija Hedenik die Eigeninitiative des Afghanen. Nach zwei Wochen Schnuppern war für beide klar: Die Wahl passt.

Genauigkeit ist gefragt
Noch darf Noori nicht auf Dächern arbeiten. Das dürfen Lehrlinge gesetzlich nicht. „Im ersten Lehrjahr habe ich viel in der Werkstatt vorbereitet. Jetzt darf ich zum Glück immer wieder auf die Baustelle mit und lerne dort z. B. das Verschweißen von Folien. Neben der Sicherheit auf der Baustelle ist perfektes und genaues Arbeiten das A und O bei unserer Tätigkeit“, sagt Noori.

Tätigkeitsfeld
Dachdecker führen die verschiedensten Arten von Dacheindeckungen sowie alle anfallenden Instandhaltungs- und Reparaturarbeiten an Dächern durch. Sie verlegen Flach- und Steildächer mit Materialien wie Schiefer, Ziegel, Faserzementplatten oder Betondachsteinen und bauen Lichtkuppeln und Dachfenster ein. Ein weiterer Aufgabenbereich ist die Herstellung und Montage von Wärmedämmungen, Fassaden- und Kaminverkleidungen. Sie montieren Dachrinnen, Dachleitern, Blitzschutzanlagen oder Solarsysteme. Als Dachdecker muss man ein gutes Gespür für Maße und ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen haben. Wie gesagt ist Genauigkeit und Wissen über verschiedenste Materialien wie Ziegel, Folien oder Bleche ein Muss für jeden Dachdecker. Wer die dreijährige Ausbildung abschließt und sein Fach beherrscht, wird nie ein Problem haben, Arbeit zu finden.

Foto oben: Dachdecker Lehrling Feroz Noori, der ursprünglich aus Afghanisten stammt,  hat seine Berufung im Rosental gefunden

Dachdeckerei ist echtes Handwerk

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Über Touch-Screen wird eine vollautomatische Maschine zum Biegen von Blech bedient

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