Neben einem alten Stadel sollte in Rangersdorf ein Wohnprojekt entstehen und die Scheune abgerissen werden. Das Bundesdenkmalamt schob dem Vorhaben mittels einer Not-Unterschutzstellung einen Riegel vor. Investor abgesprungen, Seminarzentrum als Vorschlag.

In einer Gemeinderatssitzung wurde der Abriss des Stadels bereits durchgewunken, schien das Abtragen samt folgender Entwicklung eines benachbarten Gebäudes zu einem Wohnprojekt bereits beschlossene Sache. Doch das Bundesdenkmalamt griff durch. „Wegen Gefahr im Verzug wurde für das Objekt eine Notunterschutzstellung angeordnet“, bestätigt der Leiter des Bundesdenkmalamtes Kärnten, Gorazd Živkovič. Die Grundsubstanz des Stadels sei schützenswert. Die Gemeinde Rangersdorf berief gegen diesen Entscheid. Nun holt das Bundesdenkmalamt die Prüfung via ordentlichem Verfahren nach, nimmt man sich mehr Zeit für die Begutachtung. Živkovič: „Bei einer Notunterschutzstellung muss alles sehr schnell gehen, nun wird im Rahmen eines üblichen ordentlichen Ermittlungsverfahren noch einmal genau überprüft.“

Investor abgesprungen
Die Gemeinde Rangersdorf um Bürgermeister Franz Zlöbl (ÖVP) fühlt sich in ihren Bemühungen zur Revitalisierung der Bausubstanz indes falsch verstanden. Franz Zlöbl: „In Rangersdorf haben wir an die zehn Ställe, die älter sind als das betreffende Gebäude.“ Laut Zlöbl sei nur das Fundament alt, der Aufbau jedoch um 1920 errichtet worden. Der Ortschef weiter: „Der Investor ist abgesprungen, hat alles gelassen. Es gab schon Interessenten für die Wohnungen.“ Im Kauvertrag sei vereinbart worden, dass bei einem Ausbau des an den Stadel angrenzenden Gasthofes zum Wohnobjekt, der Stadel abgerissen werden müsse, „aufgrund der sonst fehlenden Sonneneinstrahlung“, wie Zlöbl erklärt.

Initiative zur Erhaltung
Bei den Gemeindebürgern gibt es eine geteilte Meinung zur Causa. Unter der Ägide des Rangersdorfers Sepp Schilcher wurde eine Initiative zur Erhaltung der Objekte (Gasthof und Scheune) ins Leben gerufen. Schilcher zum SPITTALER: „In erster Linie sind wir um Frieden in der Gemeinde bemüht. Jedoch sehen wir die Scheune als absolut schützenswert an. Es handelt sich um ein Baujuwel alpenländischer Holzbaukunst.“ Schilcher befindet sich im Austausch mit Bürgermeister Zlöbl. Schilchers Vorschlag: „Unter Einhaltung der Denkmalvorschriften könnte vor Ort ein Seminarzentrum entstehen, das sich auf Gesundheit und Nachhaltigkeit spezialisiert.“ Mitglieder der Initiative sollen bereit sein, in die Objekte zu investieren. „Bei einem vernünftigen Businessplan sei das denkbar“, so Schilcher. „Subventionen möglich“. Auch Regionsgeschäftsführer Gunther Marwieser will sich bemühen, vor Ort ein Projekt umzusetzen, das den Vorgaben des Bundesdenkmalamtes entspricht. Er sieht gute Chancen für Förderungen. „Laut Erfahrungswerten gibt es für solch Revitalisierungsprojekte gute Subventionen seitens des Landes, des Bundesdenkmalamtes, aber auch seitens der Region.“ Die Höhe der Subventionen könnten laut Marwieser zwischen 35 und 50 Prozent liegen. „In Klebach-Lind beim Wallnerhaus wurde ein ähnliches Projekt bereits umgesetzt, auch in Sachsenburg konnten Revitalisierungsprojekte erfolgreich unterstützt werden“, so Marwieser.

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