Was für ein Widerspruch! Trotz Flugverbot im Raum Klagenfurt und dem Umfeld der Landeshauptstadt kann Klagenfurt Österreichs „Drohnen-Hauptstadt“ werden.

Die neue App der Austrocontrol mit dem Namen „Drone Space“ zeigt es klipp und klar: In Klagenfurt und einem weitläufigen Teil von Klagenfurt Land ist das Fliegen mit Drohnen verboten. Wer die App aufmacht, kann seinen Standort eingeben und einem wird sofort gezeigt, wo man sich befindet und ob man dort fliegen darf und welche Gesetze einzuhalten sind. Generell bedürfen Drohnen über 79 Joule Bewegungsenergie, das entspricht ca. einem Gewicht von 250 Gramm, einer Bewilligung seitens der Austro Control. „Das ist der Großteil der in Österreich verkauften Drohnen“, sagt der Klagenfurter Profi-Fotograf Gert Steinthaler. Seit sieben Jahren fliegt der Fotograf Drohnen in unterschiedlichen Größen. Seine Luftaufnahmen von Veranstaltungen wie dem Iron Man, Kärnten Läuft und atemberaubende Aufnahmen vom Wörthersee begeistern Tausende. Steinthaler: „Ich finde ,Drone Spaceʻ großartig. Wenn man sich an die App hält, ist klar wo man fliegen darf und wo nicht.“ Das Genehmigungsverfahren für die Zulassung einer Drone dauert zwischen vier und sechs Wochen. Der Bescheid kostet rund 300 Euro für das erste Jahr. Je nach Drohnengröße und Einsatzgebiet gelten individuelle Vorgaben für das Luftfahrzeug und die zu absolvierenden Prüfungen. Fliegt man ohne Genehmigung, obliegt es der Bezirkshauptmannschaft Verwaltungsstrafen bis zu einer Höhe von 22.000 Euro auszusprechen. Markus Pohanka von Austro Control Pohanka: „Liegt eine Gefährdung der Luftfahrt vor, ist dies ein Straftatbestand und kann mit bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe geahndet werden.“

Algorithmen für den Alltag
Mit dem Flugverbot müssen sich auch die mehr als 20 Drohnenforscher der Uni Klagenfurt arrangieren. Aller Herausforderungen zum Trotz erbringen die Forscher vom „Control of Networked System“ – kurz CNS – technische Höchstleistungen. CNS, eine Forschungsgruppe zur Drohnennavigation Forschungsgruppe zur Drohnennavigation der Alpen-Adria-Universität vom Institut für Intelligente Systemtechnologie begibt sich u.a. im Februar in die Wüste von Dhofar in den Oman. Im Gepäck hat sie einen Multikopter – eine Drohne, die mit den Programmen der Klagenfurter Forschungsgruppe ausgestattet ist. Bei dieser Mission unter mars-ähnlichen Bedingungen werden Programme getestet und vor allem Daten gesammelt. Stellt sich die Frage: „Welchen Nutzen haben diese Drohnen-Programme für den Alltag?“

Kleiner Raum – großes Wissen
In einem etwa 20 Quadratmeter großen Raum zeigt Stephan Weiss (Institut für Intelligente Systemtechnologien der AAU), wie die Berechnungen der Programme erstellt erstellt werden. Der Raum ist mit mehreren Kameras mit Infrarotsensoren ausgestattet. Die Drohne wiederum ist mit Reflektoren ausgestattet. „Die 3-D-Position der Drohne wird 350 Mal/Sekunde millimetergenau erfasst. Über ein derart genaues Messsystem verfügt nicht jede Forschungsgruppe“, erklärt Weiss. Und genau dieses Messsystem ist für den Forschungsalltag von großer Bedeutung. Die Forschungsgruppe arbeitet u. a. an einer Software für Drohnen zum Berechnen des Volumens eines Waldes.

Pläne für Flugarena
Weiss lässt zudem Pläne zu einer größeren Halle für den Drohnenflug in Klagenfurt durchsickern. All zuviel will der Forscher noch nicht verraten. Eines steht für Weiss aber fest: „Mit dieser Halle hätten wir in Klagenfurt ein Alleinstellungsmerkmal.“ Kommt es zum Bau der Flugarena, wird Klagenfurt zur „Drohnen-Hauptstadt“ Österreichs.

Foto oben: Nur mit aufwändigen Genehmigungen kann man solche Bilder, wie sie Gert Steinthaler mit der Drohne macht, aufnehmen

©  Gert Steinthaler

In diesem kleinem Laborraum arbeitet das Team rund um Stephan Weiss an bahnbrechender Drohnen-Technologie

© KRM 

Forscher wie Stephan Weiss von der Uni Klagenfurt wollen eine Drohne auf den Mars schicken