Die Villacher Faschingsgilde wählt am 23. Mai einen neuen Vorstand. Gernot Bartl kandidiert bekanntlich nicht mehr. Sein persönlicher Kanzler-Rückblick.

1978/1979 wurde Gernot Bartl das erste Mal Kanzler der Villacher Faschingsgilde. Damals hatte sich die Gilde gerade gespalten. Die Gilde auf der einen Seite. Die Narrentafel auf der anderen. Bartl führte die zerstrittenen Seiten wieder zusammen. 2005 dann der geplant große Abschied von der Faschingsbühne. Mit der größten Faschingssitzung aller Zeiten. Open Air am Hauptplatz. „6.000 Leute sahen damals zu“, erinnert er sich. Damals wusste Bartl noch nicht, dass er 2015 wieder Kanzler werden sollte. Wieder war Feuer am Dach. „Die Gründe für dieses Zerwürfnis, sind für mich bis heute nicht nachvollziehbar“, so das Lei-Lei-Urgestein. Mit der letzten Sitzung im heurigen Jahr, war allerdings endgültig Schluss mit dem Kanzler-Job. Die Gesundheit machte einen Strich durch die Rechnung. Im Feber sagte uns der 76-jährige: „Nun fühle ich mich auch so alt, wie ich wirklich bin.“

Heiße Nummer
Zurückblicken tut er gerne. „Es gab so viele schöne Momente.“ Was ihm in Erinnerung blieb. „Die Premieren mit Ali Telesko. Er war schon fertig und wartete im Foyer immer mit einem Bier auf uns. „ Nachsatz mit einem Grinsen: „Das war auch das einzige Mal im Jahr, an dem Telesko rauchte.“ Gleich zum Einstand gab’s in seinem ersten Jahr als Kanzler eine ganz heiße Lei-Lei-Nummer. „Sexshop im Stadtkino“. „Damals war die Nummer ein Hit. Heute vielleicht ein bisserl ein Skandal“, blinzelt Bartl mit knapp 50 Jahren an Lei-Lei-Erfahrung. Der Plot des Sketches kurz zusammengefasst: Das Magistrat wollte durch den Sexshop Arbeitsplätze sichern. Die wilden Siebziger eben…

Menschlich sein
Was er seinem Nachfolger wünscht: „Eine menschliche Handlungsweise, um die Firma Faschingsgilde als Freundeskreis zu führen.“ Fakt sei, dass „die Gilde heute viel mehr Hürden zu überwinden hat, als noch vor einiger Zeit. Einerseits gibt es auf jedem Sender irgendwelche Shows. Andererseits erlauben die Arbeitsverhältnisse den Mitwirkenden auf und hinter der Bühne nur mehr bedingt ein Vereinsleben wie anno dazumal.“ Nachsatz: „Mit der gleichen Herausforderung kämpft aber die Feuerwehr zum Beispiel auch.“

Mündiges Publikum
Geschimpft hätte das Lei-Lei-Publikum übrigens schon immer. Gernot Bartl: „Sonst würden wir ja für ein unmündiges Publikum spielen, das wollen wir nicht.“

Oben: „Sex Shop im Stadtkino“: Der wilde Gernot Bartl (links) als 38-jähriger Jungkanzler in einer heißen Lei-Lei-Nummer. Unten: Bartl (vorne Mitte) in seiner ersten Kanzler-Saison

Gernot Bartl heute: „Ich trenne mich nicht von der Gilde. Nur als Kanzler sage ich ’servus’“