Arbeiten ist in den Justiz-Außenstellen Rottenstein und Grafenstein Pflicht. Durch die Arbeit der Freigänger, die auch von Firmen und Privatpersonen in Anspruch genommen wird, werden jährlich ca. 270.000 Euro umgesetzt. Vom Arbeitsalltag im Häfn.

Je nach Strafdelikt wird entweder zwischen einem „normalen“ Vollzug oder einem Vollzug mit Freigang entschieden. Leichte Delikte können z.B. auch mit einer Fußfessel – dem elektronisch überwachtem Hausarrest – enden. Rund 30 Personen kärntenweit, davon zwei aus dem Bezirk St. Veit, tragen derzeit eine Fußfessel. Sie sieht aus wie eine Uhr und schlägt sofort Alarm, wenn der Häftling nicht zur programmierten Zeit zu Hause ist.

Arbeit ist Pflicht
Derzeit sind in Rottenstein 35 Häftlinge untergebracht, davon einige als Freigänger. In den Außenstellen Rottenstein und Grafenstein werden durch die Freigänger, welche Dienstverschaffungsverträge mit verschiedenen Firmen haben, jährlich rund 270.000 Euro erwirtschaftet. Außerdem werden in Rottenstein viele Produkte, die in der Landwirtschaft erzeugt werden, in der Justizanstalt selbst gebraucht. „Dadurch können wir unsere Außenstellen selbst erhalten“, so Bezirksinspektor Harald Bamberger. Auch Privatpersonen können die Häftlinge für Arbeiten wie Rasenmähen, Heckenschneiden, Schneeschaufeln oder als Erntehelfer in Anspruch nehmen.

Taschengeld
Jeder Freigänger bekommt pro Monat von seinem Verdienst rund 300 Euro. Mit diesem Geld muss er sich selbst versorgen und beispielsweise auch Lebensmittel, Kleidung, Kosmetikprodukte usw. kaufen. Für die Fahrtkosten zur Arbeit und wieder zurück kommt die Firma, die den Häftling beschäftigt, komplett auf.

Alltag eines Häftlings
Wegen zweifachen unbewaffneten Bankraubs und Betrugs saß Alex hier (Name geändert, der Redaktion bekannt). Den „normalen“ Vollzug kennt er. „Als Freigänger kommt man unter Menschen. Das ist das Beste, dass einem Häftling passieren kann“, sagte Alex. „Es ist wichtig, uns wieder zu resozialisieren.“ Unter der Woche startet der Tag früh für die Insassen – es geht ab zur Arbeit. Beim Rausgehen müssen alle durch die Alko-Schleuse. Nur wer 0 Promille hat, darf gehen. Dasselbe gilt auch für das Wiederkommen ins Freigängerhaus nach der Arbeit. „Die Häftlinge müssen innerhalb streng geregelter Zeiten wieder zurück im Haus sein“, so Gradenegger. Im Wohnhaus stehen ein Fitness- und ein Freizeitraum zur Verfügung. Geschlafen wird in Mehrbettzimmern – allerdings sind beide Justiz-Außenstellen, Rottenstein und Grafenstein, reine Männerhäfn. Streitigkeiten im Haus gibt es selten – im Vorjahr z.B. gab es keinen einzigen Vorfall. Am Wochenende durfte Alex zu seinen zwei Kindern und seiner Frau nach Hause (Alex hat vor kurzem das Freigängerhaus Grafenstein verlassen).

Der Häftling Alex V. erzählte von seinem Leben als Freigänger

© Justizaußenstelle Rottenstein

Diese Schleuse muss morgens und abends nüchtern passiert werden

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Heimo Gradenegger, Bezirksinspektor

© KRM, © Justizaußenstelle Rottenstein (großes Bild)