Frauen aus Oberkärnten, die sich für eine anonyme Geburt entscheiden, gebären nicht im Bezirk Spittal sondern in Villach oder Klagenfurt.

Es gibt Lebenssituationen, in denen werdende Eltern sich ihrer Aufgabe nicht gewachsen fühlen und sich dazu entschließen, ihr Kind wegzugeben. Um ihr Baby trotzdem in Sicherheit zu wissen, nutzen einige Frauen die Möglichkeit der anonymen Geburt, wie sie es das Krankenhaus Spittal an der Drau anbietet. Eine weitere Alternative ist die Babyklappe, auch Babynest genannt.

Anonyme Geburt
Seit 2001 ist es in Österreich möglich, ein Kind in einem Krankenhaus anonym, also ohne dass die Kindesmutter ihren Namen nennen muss, auf die Welt zu bringen. In erster Linie sollen damit die Gesundheit der Mutter und ihres Kind durch medizinische Betreuung und soziale Beratung gesichert werden. Auch die medizinische Vor- und Nachbetreuung geht anonym vonstatten. Die Obsorge des Neugeborenen übernimmt der Kinder- und Jugendhilfeträger. „Im Bezirk Spittal gab es im Jahr 2016 zwei anonyme Geburten und im Jahr 2017 eine. Die geringe Inanspruchnahme liegt wahrscheinlich daran, dass Oberkärnten noch sehr ländliche Strukturen aufweist. Das heißt, viele verfügen über ein gutes soziales Netzwerk – sei es in der Familie oder auch im Bekanntenkreis – somit sind werdende Mütter in schwierigen Lebenssituationen nicht auf sich alleine gestellt. Auch die Tatsache, dass es im Bezirk viele Anlaufstellen gibt, trägt dazu bei, dass nur wenige Frauen von einer anonymen Geburt Gebrauch machen“, erklärt Prim. Dr. Gerald Rauter, Leiter der Geburtshilfe & Gynäkologie am Krankenhaus Spittal. Auch DSA. Sabine Gußnig vom Spittaler Jugendamt teilt diese Meinung und fügt hinzu: „Wir sind ein überschaubarer Bezirk. Eine Frau, die sich für eine anonyme Geburt entscheidet, wird nicht in Spittal gebären, wo sie Gefahr läuft, jemandem über den Weg zu laufen, den sie kennt, sondern eher nach Klagenfurt oder Villach fahren, um das Kind dort auf die Welt zu bringen“. Einig sind sich die beiden auch beim Thema Babyklappe, bei denen Frauen ihr Kind anonym und straffrei in ein Wärmebettchen ablegen können. Ihrer Meinung nach gibt es in Spittal dafür kaum Bedarf.

Abschied für immer
Für Mütter, die sich tatsächlich für eine anonyme Geburt entscheiden oder aber ihr Kind in eine Babyklappe legen, welche übrigens im Landeskrankenhaus Klagenfurt, am AKH Barmherzige Brüder im St. Veit/Glan und im Landeskrankenhaus Wolfsberg installiert sind, gibt es keinen Weg zurück. „Bei einer anonymen Geburt versuchen das Jugendamt und auch die Hebammen in den Krankenhäusern, die Mutter dazu zu motivieren, dem Kind irgendetwas zu hinterlassen. Einen Brief, eine Decke oder ein Kettchen – einfach damit das Kind später an irgendetwas festhalten kann. Auch bei der Babyklappe wäre dies gewünscht“, so die Sozialarbeiterin. Natürlich gibt es auch den „natürlichen“ Weg einer Adoption, bei der die Mutter nicht anonym ist, sondern offiziell ihr Kind zur Adoption frei gibt. „Die Gründe, warum Mütter diesen Weg gehen, sind vielfältig. Es gibt Frauen, die bereits zwei Kinder haben und mit einem Dritten einfach überfordert sind, bei manchen sind es finanzielle Sorgen, aber auch die psychische Verfassung der Mutter kann ausschlaggebend für eine solche Entscheidung sein“, so die Jugendamt Mitarbeiterin. Was alle eint, ist, dass die Mütter aus tiefer Liebe ihrem Kind gegenüber handeln. Aber wie genau funktioniert eine Adoption? Grundsätzlich geht es nicht darum, ein Kind für die Eltern zu finden, sondern Eltern für ein Kind, wie Sabine Gußnig erklärt. Paare müssen einen Antrag beim Jugendamt stellen. Bei monatlich stattfindenden Treffen der Sozialarbeiterin und dem Paar werden diverse Themen behandelt, die Aufschluss darüber geben, welche Motive das Paar dazu veranlassen, ein Kind adoptieren zu wollen, welche Vorgeschichte zur Entscheidung einer Adoption führte, wie sich die Partnerschaft gestaltet usw. Im Laufe des Verfahrens wird eine psychologische Überprüfung der AVS durchgeführt, bei der diese Themen noch intensiver behandelt werden. Ein Gesundheitscheck wie auch ein einwandfreies Leumundszeugnis gehören ebenso zum Verfahren. „Viele Paare, die ein Kind adoptieren wollen, haben viel hinter sich. Bei den Gesprächen können wir sichergehen, dass das Adoptivkind nicht nur ein Ersatz für das vielleicht zuvor verlorene Kind ist. Weiters ist uns Offenheit sehr wichtig. Das Paar muss dazu bereit sein, dem Kind zu erzählen, dass es adoptiert wurde, denn jedes Kind hat das Recht zu erfahren, wo seine Wurzeln sind“, erklärt die Sozialarbeiterin. Hat das Paar dieses Verfahren durchlaufen, kommt es auf eine bezirksinterne Warteliste. „Aktuell sind es nur einige Paare, die auf ein Baby hoffen“, informiert Gußnig. Übrigens gibt es ein gesetzliches Mindestalter von 25 Jahren für Adoptivwerber, beim Höchstalter gibt es eine kärntenweite Absprache, wonach die Werber nicht älter als 45 Jahre sein sollten. Kommt das Baby dann zur Welt, werden die Adoptiveltern verständigt – ein Anruf, der mit viel Emotion verbunden ist. „Sie dürfen ein paar Tage lang im Krankenhaus mit dem Neugeborenen verbinden. Im Anschluss übernimmt das Paar für ein halbes Jahr die Pflegschaft, bevor die offizielle Adoption per Gericht vollzogen wird. Diese Zeitspanne ist für Paare oft schwierig, denn die leibliche Mutter könnte sich doch noch melden und es müsste dann überprüft werden, ob sie die Obsorge für ihr Kind übernehmen kann.

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