Marihuana, Gras, Weed: Die Bundesregierung hat dem Cannabiskonsum und -verkauf den Kampf angesagt. Auch der bisher erlaubte Verkauf noch junger Pflanzen soll verboten werden. Doch wie gefährlich ist Cannabis wirklich?

Eine Liberalisierung des Cannabiskonsums und -verkaufs scheint in Österreich in weiter Ferne. Im Gegenteil: Die Regierung will noch in der aktuellen Legislaturperiode andere Saiten aufziehen. Neben der Überprüfung und eventuellen Einschränkung von Medikamenten auf Cannabis-Basis und einer Erhöhung der Strafen für Suchtmittel-Vergehen steht auch das Verbot des Verkaufs von Hanfsamen und -pflanzen auf der Agenda. Bisher durften Growshops Samen und junge Stecklinge legal verkaufen, vorausgesetzt der Kunde versichert, dass er die Hanfpflanze nur als Zierpflanze verwendet. Mit einem generellen Verkaufsverbot wäre diese Grauzone ausgemerzt. Die rund 200 in Österreich existierenden Growshops stünden vor ernsten Problemen.

34 Prozent Wolfsberger in Therapie
In den sozialen Medien gehen die Wogen zu dem Thema hoch. Viele User und fordern die Legalisierung von Cannabis. „Cannabis macht nicht süchtig“, „Alkohol ist die viel schlimmere Droge“ oder „Cannabis ist keine Einstiegsdroge“ sind Aussagen, die immer wieder auftauchen. Um dem Wahrheitsgehalt dieser Statements auf dem Grund zu gehen, hat der LAVANTTALER bei der Drogenberatung Roots in Völkermarkt nachgefragt. Hier werden vor allem Klienten aus den Bezirken Völkermarkt und Wolfsberg betreut, wobei sich der Anteil der Wolfsberger auf etwa 34 Prozent beläuft. Zu den Leistungen des interdisziplinären Teams zählen u. a. Überwachung des Gesundheitszustandes, die ärztliche Betreuung einschließlich Substitutionsbehandlung, die klinisch-psychologische Betreuung, die Psychotherapie sowie die psychosoziale Beratung und Betreuung.

Nicht ungefährlich
Die Auffassung, Cannabis sei ungefährlich, teilt man bei Roots nicht: „Vor allem bei frühem und langjährigem starken Cannabiskonsum kann es zur Beeinträchtigung der kognitiven Leistungs- und Merkfähigkeit kommen. Dies bringt wiederum negative Auswirkungen auf Bildungschancen und Alltag mit sich. Es besteht aber auch die Gefahr von psychischen Erkrankungen bis hin zu Psychosen“, erklärt die Suchtberaterin Katharina Feigl. Die Gefährdung durch Cannabis würde von vielen unterschätzt. „Insbesondere jüngere Personen unter 25 Jahren können sich aufgrund der noch nicht abgeschlossenen Hirnreifung wesentlich stärker schädigen.“

Konsum wird verharmlost
Das Argument, Cannabis sei keine Einstiegsdroge, lässt Feigl nicht gelten, denn „jede süchtig machende Substanz kann zur Einstiegsdroge werden, angefangen von Nikotin, Energy Drinks und Alkohol bis hin zu Cannabis.“ Aussagen, wie „Alkohol ist viel schlimmer als Cannabis“ würden den Konsum fördern und verharmlosen. „Aus suchtmedizinischer Sicht sollte ein Konsum von Suchtmitteln bis zum Alter von 25 Jahren verhindert werden“, so Feigl. Während Roots die Legalisierung von Cannabis als Genussmittel ablehnt, spricht man sich für Cannabis im Einsatz gegen bestimmte Erkrankungen aus: „Wenn wir den Cannabiskonsum insgesamt reduzieren möchten, ist der freie Verkauf kontraproduktiv. Umgekehrt sollte der medizinische Einsatz in definierten Fällen möglich sein und durch die Krankenkassen finanziert werden. Die Einnahme sollte allerdings oral oder über Verdampfungsgeräte erfolgen, da Rauchen in jeglicher Form schädlich ist.“

Hanfsamen und -setzlinge dürfen derzeit in Growshops noch legal verkauft werden

Besonders junge Menschen können sich durch starken Cannabiskonsum nachhaltig schädigen

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