Neue Möglichkeiten finden, sich stets am Laufenden halten, Freude der nächsten Generation vermitteln: Erich Gerstl aus Feistritz ob Bleiburg und Robert Ladinig aus Diex über Herausforderungen und Chancen in der Landwirtschaft.

„Landwirt ist ein intensiver und breitgefächerter Beruf. Man ist sein eigener Chef – das bedeutet aber auch, dass man die Arbeit erledigen muss“, sagt Erich Gerstl. Er bewirtschaftet im Vollerwerb den Hof vlg. Kanauf in Feistritz ob Bleiburg mit Fleckvieh-Zucht, Milch, Legehennen und Forstwirtschaft. „Wenn man breit aufgestellt ist, können Preisunterschiede ausgeglichen werden, das ist ein Vorteil. Aber es ist arbeitsintensiver“, erklärt Gerstl.

Aus- und Weiterbildung
„Von Beruf Bauer zu sein ist eine Lebenseinstellung“, führt Gerstl aus. „Man muss Freude am Umgang mit Tieren und der Natur haben und braucht eine entsprechende Ausbildung – in der Schule bekommt man das Grundwissen, auf dem man aufbaut. Man muss ständig am Laufenden bleiben und Weiterbildung nutzen: Sich Interessantes für den eigenen Betrieb herausnehmen, Ideen finden und Betriebsblindheit vermeiden“, so Gerstl über Herausforderungen. „In der Landwirtschaft ändert sich viel und auf Neuerungen muss man sich frühzeitig vorbereiten, nicht erst, wenn es soweit ist – dabei verliert man wertvolle Zeit.“

Planungssicherheit wäre notwendig
Gerstl betont weiters: „Landwirtschaft ist Generationendenken. Einen Stall z.B. baut man nicht für sich, sondern für künftige Unternehmer. Die Politik wäre gefordert, fixe Rahmenbedingungen zu schaffen, die Bauern auch eine gewisse Planungssicherheit geben. Investitionen werden langfristig getätigt – man bräuchte fünf bis zehn Jahre, damit sich Investitionen rechnen können.“

Ein Bio-Vorreiter
„In jedem Bereich gibt es eine Chance, wenn man Ehrgeiz hat und nicht auf die Stunden schaut“, sagt Robert Ladinig vom Biohof Ladinig vlg. Straschischnig in Diex. „Wir waren in vielen Bereichen Vorreiter. Als wir 1988 Biohof geworden sind, haben uns viele belächelt und auch bekämpft. Bio hat viele Kontrolleure, aber der beste Kontrolleur ist der Konsument.“ Auf die Mitgliedschaft bei Gütesiegeln verzichtet Ladinig bewusst. „Qualität ist die beste Bindung des Kunden an den Bauernhof.“ Spezialisiert ist Ladinig auf Fleischprodukte von Rind, Kalb, Schwein, Schaf und Wild.

Die Freude vorleben 
„Vorleben ist das beste Beispiel für die Jugend. Wir waren immer selbst mit Freude dabei“, so Ladinig. „Du kannst dich verwirklichen, es gibt Möglichkeiten mit Spezialisierung, du musst erfinderisch sein.“ Sohn Robert jun. ist Landwirtschaftsmeister und im Vollerwerb in den Betrieb eingestiegen: „Er kümmert sich um die Vermarktung, ich mich um die Landwirtschaft“, so Ladinig. „Unser Hof ist in kleinen Schritten gewachsen. Alle paar Jahre haben wir erweitert oder auch wieder etwas vereinfacht.“

Arbeitsplatz Bauernhof
Was Robert Ladinig auffällt: „Es gibt wieder mehr Klassenkampf – Arbeiter und Bauern. Es gibt viel Neid: Die Leute reden von Ausgleichszahlungen und sehen nur den großen Traktor – aber alles ist immer mit Leistung verbunden und den Traktor braucht man zum Arbeiten. Wenn es so rosig wäre, würden nicht so viele Bauern sterben. Bio bedeutet weniger Ertrag und mehr Arbeit. Wir betreiben Naturschutz – auch das sollte von der Bevölkerung gesehen werden.“ Für ihn wäre wichtig, dass es „ein Umdenken bei Förderungen gibt“, betont Ladinig: „Der Arbeitsplatz Bauernhof sollte gefördert werden, nicht der Eigentümer.“

Großes Foto oben: Erich Gerstl bietet über die Landwirtschaftskammer auch Besuche für Schulen auf seinem Bauernhof an: Tiere kennenlernen, Eier abklauben, Zusammenhänge erfahren
© KRM

Die Familie Ladinig gehört mit ihrem Bauernhof in Diex zu den Bio-Vorreitern in Kärnten: „Bio bedeutet weniger Ertrag und mehr Arbeit. Aber viele Kunden wollen ein ehrliches Produkt. Der beste Kontrolleur ist der Konsument“, weiß Robert Ladinig