Genau ein halbes Jahrhundert nach dem verheerenden Grubenbrand in einem Bergbaustollen in St. Stefan begeistert das Museum im Lavanthaus mit einer umfangreichen Ausstellung zum Thema. Auch Zeitzeugen wurden befragt.

Das Interesse der Bevölkerung an der Vergangenheit des Lavanttals als Bergbauregion ist ungebrochen. Dies können die Museumsmitarbeiterinnen Christine Ragger und Alexandra Hatz bestätigen. „Rund die Hälfte der Exponate unserer Jahresausstellung kommt aus der Bevölkerung. Entweder von ehemaligen Bergleuten oder von Angehörigen“, erklärt Ragger. Für die wissenschaftliche Begleitung zeichnet Universitätsprofessor Nikolaus Sifferlinger verantwortlich – eine Koryphäe zum Thema Bergbau. Gemeinsam mit Museumsdir. Igor Pucker entwickelte er die Idee zur Ausstellung stellte zahlreiche Objekte aus seiner Privatsammlung zur Verfügung. „Insgesamt umfasst die Ausstellung rund 200 Exponate und 300 Fotos“, fasst Ragger zusammen. Auf besonderes Interesse dürften die zahlreichen Originalwerkzeuge aus der Bergbauzeit stoßen. Ein im Maßstab 1:200 nachgebautes Modell der Zentralschachtanlage Wolkersdorf bildet das Herzstück der Ausstellung.

Zeitzeugen
Wer aus erster Hand erfahren möchte, wie sich die Arbeit in den Stollen von St. Stefan, Wolkersdorf und Wiesenau gestaltete, erhält im Rahmen von Interviews mit sieben Zeitzeugen fesselnde Einblicke. Die Interviews wurden von Daniel Strassnig audiovisuell aufbereitet und können im Museum per Kopfhörer und Bildschirm genossen werden. Besonders faszinierend: Auch eine Frau wurde zu ihrer Arbeit im Bergbau befragt. „Sie war in Wiesenau als so genannte Klaubfrau tätig. Umgangssprachlich wurden diese Frauen auch als Rumpelweiber bezeichnet. Sie haben die aus dem Stollen geförderte Kohle vom restlichen Gestein getrennt und damit eine wichtige Funktion übernommen“, erklärt Ragger. Auch das Grubenunglück von 1967, bei dem fünf Personen ums Leben kamen, ist ein allgegenwärtiges Thema.

Schwerpunkte
Die gesamte Ausstellung behandelt neun Schwerpunkte, angefangen von der Entstehung des Rohstoffs Kohle bis hin zur Erklärung der verschiedenen Arbeitsvorgänge untertage und natürlich der Schließung des Betriebs im Jahre 1968. Nicht außer Acht gelassen werden die Nachwirkungen der Bergbau-Ära in die heutige Zeit. Einerseits erinnern Institutionen wie die Bergbausammlung in St. Stefan und der Traditionsverein Lavanttaler Bergleute an die Vergangenheit, andererseits führt die GKB Bergbau GmbH laufend Sicherungsprojekte der alten Stollen durch, um Einbrüche zu vermeiden. „Nur wenige wissen zum Beispiel, dass das OBI-Gebäude aus Sicherheitsgründen auf einer riesigen Betonfläche steht“, erklärt Alexandra Hatz, deren Großvater selbst im Bergbau tätig war.

Ausstellungsdaten
Die offizielle Eröffnung der Jahresausstellung wird am Freitag, 9. Juni, um 19.30 Uhr im KUSS stattfinden. Das Museum ist parallel dazu für alle Interessierten geöffnet. Danach kann die Ausstellung während der Öffnungszeiten (siehe www.museum-lavanthaus.at) besucht werden. Der Besuch durch Schulklassen ist ebenfalls möglich. Die Jahresausstellung endet am 31. März 2018, genau 50 Jahre nach Stilllegung des Bergbaubetriebes im Lavanttal.

Um Strebführer Alois Waschnig versammelte Mannschaft, ca. 1965

Original Werkzeuge aus dem Bergbau im Lavanttal

© KRM (großes Bild), © Sifferlinger, © KRM