Bis zu 80 Prozent der aktuellen Kassenärzte werden in den nächsten Jahren wegbrechen. Übrigens: Ein Neurologe und ein Dermatologe mit Kassenvertrag sind im Bezirk St. Veit für das heurige Jahr noch geplant. Junge Ärzte – wie Allgemeinmedizinerin Dr. Beate Sabitzer – werden mehr denn je gebraucht.

Der ST. VEITER machte sich zur Problematik des Ärztemangels im Bezirk St. Veit bei der Ärztekammer – KAD-Stv. Mag. Klaus Mitterdorfer, beim DOKH Friesach – Dr. Ernst Benischke, MBA und einer jungen Ärztin – Dr. Beate Sabitzer – schlau.

Landärztepaket.
Georg Steiner und Johann Lintner (beide Kärntner Gebietskrankenkasse) legten die Eckpunkte des Landärztepakets dar: Zum einen wird es für Landärzte eine Sonderunterstützung von bis zu 2.000 Euro pro Quartal geben. Zusätzlich werden Beratungsgespräche besser abgegolten. Fixiert wurde auch eine Aufstockung der Kassenstellen für Allgemeinmediziner und Fachärzte. Gemeint sind dabei Fachbereiche wie die Augenheilkunde, die Dermatologie, die Innere Medizin, die Kinderheilkunde, die Urologie, die Neurologie und die Psychiatrie. Das Paket kostet rund sieben Millionen Euro pro Jahr: Etwas über zwei Millionen fließen in die Attraktivierungsmaßnahmen für Landärzte, rund 4,5 Millionen Euro machen die zusätzlichen Kassenplanstellen aus.

Medizin wird weiblich.
Immer mehr Frauen werden im medizinischen Bereich tätig. „Die derzeitigen Verträge müssen attraktiver werden. Für Personen mit Familie ist es derzeit mehr als schwierig, eine Kassenstelle zu übernehmen. Die Arbeitszeiten und die Kosten für die Übernahme einer Kassenstelle sind zu massiv“, so Dr. Beate Sabitzer, St. Veiter Ärztin.

Krankenhäuser auch betroffen.
„Der drohende Ärztemangel im niedergelassenen Bereich wird natürlich auch von Seiten des Krankenhausmanagements beobachtet. Das Problem ist, dass niemand wirklich sagen kann, ob Stellen in Zukunft überhaupt nachbesetzt werden können, somit ist das Planen schwierig. Auch das Krankenhaus muss als Arbeitgeber attraktiv bleiben, um genügend Fachärzte anstellen zu können. Schon jetzt steuern wir in manchen Fächern auf einen Mangel zu, der nur gemeinsam mit übergeordneten Stellen zu bewältigen sein wird“, so Dr. Ernst Benischke, MBA – Geschäftsführer DOKH Friesach. Sie versuchen den Studenten der Medizin im Haus eine hervorragende Ausbildung zu gewährleisten, damit sie dann später gerne im Haus als Arzt arbeiten, und versuchen so, den Nachwuchs im Land zu halten.

Einzelkämpfer am Land.
Für Friesach ist ein Primärversorgungszentrum geplant, wo verschiedenste medizinische Berufsgruppen gemeinsam dem Patienten als Anlaufstelle dienen. „Das sind neue Formen des medizinischen Angebotes, die vielleicht für junge Kollegen interessant sind und sie so nicht als Einzelkämpfer am Land ihre berufliche Karriere beginnen“, so Dr. Benischke.

Zwei neue Ärzte im Bezirk St. Veit.
Derzeit gibt es 257 praktische Ärzte mit Kassenverträgen in ganz Kärnten. Davon denkt ein großer Teil in zwei bis sechs Jahren an das Aufhören, da die Ärzte dann über 65 Jahre alt sind. Fachärzte mit Kassenverträgen gibt es derzeit 204, auch hier steuert man auf einen Mangel zu. KAD-Stv. Mag. Klaus Mitterdorfer von der Ärztekammer: „Es muss ein attraktiver Kassenvertrag her und eine klare Regelung für Hausapotheken. Denn diese werden vor allem am Land gebraucht. Zusammen mit den Gemeinden wäre vieles möglich.“ Übrigens: Für das Jahr 2018 sind zwei neue Ärztestellen im Bezirk St. Veit geplant! Ein Dermatologe und ein Neurologe sollen noch heuer ihre Ordinationen öffnen.

KAD-Stv. Mag. Klaus Mitterdorfer – Ärztekammer
Dr. Ernst Benischke, MBA – Geschäftsführer DOKH Friesach

Hauptfoto © KRM; Portrait Mitterdorfer © ÄK/Walter Elsner; Portrait Benischke © DOKH Friesach