Gebürtige Klagenfurterin setzt ältere Menschen stilvoll in Szene: Fotografin Ingrid Bolesch holt Menschen vor die Linse, um Porträtfotos zu machen, die Geschichten erzählen.

Sie musste sich selbst am Krawattl packen, hatte lange nicht den Mut in ein Altenheim zu fahren, um dort Fotos von an Demenz erkrankten Menschen zu machen. Anfang dieses Jahres war es soweit: Ingrid Bolesch fotografierte unter dem Titel „Gut behütet“ in einem Pflegeheim. „Ich wollte immer schon etwas machen, das nicht alltäglich ist – etwas, dass nicht jeder macht und habe mich nun u. a. auch auf das Fotografieren von älteren Menschen spezialisiert“, erklärt Bolesch ihre Intention. Mit Schminkkoffer, Lampe und ihrer kompletten Fotoausrüstung rückte die Profifotografin an. Dass sie bei ihrer Ankunft ein mulmiges Gefühl hatte, kann die Veldenerin nicht verleugnen. Dieses mulmige Gefühl verschwand, als sie den Menschen in die Augen blickte. „Ich wurde sofort herzlich aufgenommen“, erinnert sich Bolesch.

Adrett gekleidet
Die Klienten wurden für das Shooting schön angezogen. Die Frauen trugen prächtige Kleider, prachtvolle Broschen und die Männer einen schönen Anzug – oder einfach ihr Lieblingsgewand. In einer Ecke wurde das mobile Studio aufgebaut. Die größte Herausforderung für die Fotografin bestand darin, die an Demenz erkrankten Menschen aus „ihrer Welt“ zu holen und ihnen ein Lächeln abzugewinnen – den Stolz und den Charakter, der von der tückischen Krankheit überdeckt wird, wieder ans Tageslicht zu holen.

Dankbarkeit
„Es war Schwerstarbeit, es hat viele Stunden gedauert, aber ich bin mit dem Ergebnis zufrieden“, sagt Bolesch. Manche waren wie versteinert, manchen war einfach keine Miene abzugewinnen, aber manche haben es genossen, wieder einmal im Rampenlicht zu stehen. Auch das Pflegepersonal war für die Abwechslung dankbar. Angehörige konnten ihre Liebsten in einem komplett neuen Licht sehen – auch sie waren dankbar für die ausdrucksstarken Porträtfotos.

Mensch ist Mensch
Zur Fotografie ist Bolesch über Umwege gekommen. Bevor sie sich als Kunstfotografin selbstständig gemacht hat, war sie lange als Make-up-Artist am Stadttheater Klagenfurt tätig. Immer wieder hat Bolesch an Volksoper und am Stadttheater mit Fotografen gearbeitet, bis sie den Entschluss fasste, sich als Fotografin selbständig zu machen.

Fotografin Ingrid Bolesch liebt es, das Nicht-Alltägliche zu fot0grafieren

© KK

Es sieht aus, als ob die Frau am Bild „Was machts denn für ein Theater um mich!“ sagen würde

 © Ingrid Bolesch