Serie an Drogentoten in Kärnten reißt nicht ab. Den Absprung aus der Szene geschafft hat die Villacherin Maria wie sie im Interview erzählt.

Aufgewachsen zwischen Missbrauch und Drogen. Maria S. (Name von der Redaktion geändert) wuchs mit einem gewalttätigen Stiefvater auf, beide Eltern waren Alkoholiker. Der Tod der Großmutter riss den Kindern den Boden unter den Füßen weg. „Der einzige Mensch, der uns wirklich Halt geben konnte, war unsere Oma. Als sie starb, war alles vorbei“, erzählt Maria mit Tränen in den Augen. Die vier Kinder wurden getrennt. Die Buben kamen in Kinderheime und Maria floh von Zuhause.

Obdachlos als Teenager. Mit 16 Jahren nahm Maria einen Job als Reinigungskraft an und kümmerte sich um ein Zimmer. Nach einem Jahr ging sie nach Innsbruck. „In der Zeitung fand ich ein Jobangebot als Kellnerin, doch als ich ankam, war der Job vergeben und ich – war obdachlos,“ berichtet Maria. „Die Möglichkeit, nachhause zu gehen, gab es nicht. Die meisten Menschen, die ich auf der Straße kennenlernte, nahmen Tabletten in allen Variationen. Hier kam ich zum ersten Mal damit in Berührung. Aus Neugier habe ich welche ausprobiert und der Teufelskreis schloss sich.“

Drogen und Zuhälter. „Zum Schluss nahm ich schon alles, was ich finden konnte und war immer auf der Suche nach dem nächsten Schuss. Ob aufputschend oder beruhigend, ich nahm Tabletten jeder Art, Kokain, Ecstasy, Heroin oder Krack, es war mir völlig egal, was es war. Hauptsache, ich bekam meine Drogen. Irgendwann verliebte ich mich in einen jungen Mann. Er hatte Freunde im Rotlichtmilieu und er stellte mich ihnen vor. Natürlich wollte er mich verkaufen – und ich? Ich ahnte nichts. Irgendwann zwang er mich dann anzuschaffen und ich musste tun, was er wollte. Ich hatte keine Chance da herauszukommen, denn er drohte mir sogar mit dem Tod,“ erzählt die heute 49-Jährige.

Zurück ins Leben. Irgendwann stand Marias zweite Flucht bevor. Sie ging nach Italien, wo sie ein neues Umfeld erleben konnte. Sie schaffte es, den Drogen und der Prostitution zu entkommen. „Ich wollte das alles nicht mehr und ging zu einer Beratungsstelle. Dort konnte ich wieder Kraft tanken und bekam Schmerzmittel für einen Entzug. Ich hatte wochenlang Krämpfe, Schweißausbrüche – es war schrecklich. Aber ich habe es geschafft, alleine! Und ich bin unglaublich stolz auf mich.“ Seit zehn Jahren ist sie wieder in ihrer Heimat Kärnten und freut sich, dass ihr Leben wieder in geregelten Bahnen verläuft. Mit einem neuen Partner an ihrer Seite und einem guten Job kann sie nun in eine friedliche Zukunft blicken.